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Val Grande Nationalpark (2/3): Über die Scala di Ragozzale nach In La Piana

Am Vortag war er schon zu sehen, der Weg von der Alpe Rina hinüber zum Grat unter der Testa di Menta. Ohne große Höhenunterschiede gelangen wir zunächst zur verlassenen Alpe die Menta, von wo der Aufstieg in Richtung Scala di Ragozzale beginnt. Neben tollen Tiefblicken ins die Ossola beschäftigt uns vor allem die Überlegung wie wir wohl über den scharfen Grad hinüber ins Gebiet des Val Grande Nationalparks kommen.

Kurz vor dem Passo Ragozzale auf 1960 Metern lüftet sich das Geheimnis. Die Älpler haben den Grat mit einer aus Granitplatten aufgeschichteten Rampe entschärft und die letzten fünf Meter mit in den massiven Fels gehauenen Steinstufen überbrückt! Die in den Fels gehauenen Initialen der Erbauer weisen das Jahr 1880 aus…..

Scala-Ragozzale-1 Scala-Ragozzale-2
Scala-Ragozzale-3 Scala-Ragozzale-4

Wir nehmen die Hilfe dankbar an und tauchen auf der anderen Gratseite zunächst in den Nebel ab statt den Blick über fast den gesamten Nationalpark zu genießen. Im Steilhang führt der Weg vorbei am direkt unter dem Grat gelegenen Bivacco Ragozzale Richtung Ost/Nordost unter der Testa di Menta entlang und erreicht am Punkt 1930 den Grat.

Val Grande 070An dieser Stelle muss man den Grat queren und auf der nördlichen Seite weitergehen (missverständlich auf der Karte eingezeichnet), obwohl alte Spuren auch auf der Südseite weiterführen, aber bald ins Nichts führen!  Der Weg führt auf dem bewachsenen Grat hinüber zum Piz Mottac. Ständig auf und ab und über Felsen und Wurzeln geht das ordentlich an die Kondition….

Der Piz Mottac wird nordöstlich umgangen und nach kurzem Abstieg erreichen wir die Alpe Mottac, die eine (Selbstversorger-) Übernachtungsmöglichkeit Alpe Mottacbietet. Nebenan in der Casa Forestale quartieren sich gerade zwei Ranger ein. Nach einem freundlichen “Salve” ist es bis zur Einladung auf einen Espresso und einen Grappa nicht mehr weit.  Wir steuern Apfelchips und Kekse bei und schon kommen Gedanken auf, ob wir wirklich noch den steilen Abstieg nach In La Piana antreten sollen….

Mit den Tips der Ranger versorgt ist der innere Schweinehund schnell besiegt und der steile 900 Meter Abstieg durch den Mischwald beginnt. Herrliche Tiefblicke lenken In-La-Piana uns immer wieder vom mit 15 cm Laub bedeckten Pfad ab und verursachen so manches Stolpern.  Bald sehen wir die wunderschön gelegene Waldlichtung mit den Hütten von “In La Piana” aus der Hubschrauberperspektive.

Vorbei am Überlauf des Wasserreservoirs, das uns später als Dusche dienen sollte, steigen wir ab. Nach 5 Stunden Marsch haben wir drei Hütten zur Auswahl! Wir nehmen die kleinste. Wieder mit Holzofen, Tisch und Bank, aber ohne Matratzen!

Auf einer Bank vor der Hütte  genießen wir den herrlichen Blick über die Lichtung. Darüber bauen sich bizarre und mit Bäumen überwachsene Felsformationen auf. MIn-La-Piana-Blick it den Nebelschwaden, die durch die Felsen treiben erinnert das Ganze an eine Urwaldszene in Südamerika.

Aber bevor es morgen da durch geht genießen wir noch die kulinarischen Köstlichkeiten aus dem Rucksack und die Tatsache, dass wir das alles mal wieder für uns ganz alleine haben!

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Geschrieben von Michael | Abgelegt unter Hütten, Piemont | Keine Kommentare

Val Grande Nationalpark (1/3): Von Trontano hinauf zur Alpe Rina

Schon der Einstieg zu dieser einsamen Tour ist ein Erlebnis, zumindest für Eisenbahnfreunde. Aus dem Tunnelbahnhof der Centovallibahn in Domodossola rattert der alte Zug über Serpentinen, durch kleine Weinberge und vorbei an schönen Palazzi hinauf nach Trontano (518 m) ins Valle Vigezzo, wie das Centovalli auf der italienischen Seite heißt. TrontanoVon diesem romantischen kleinen Dörfchen bietet sich ein herrlicher Blick über die Ossola in Richtung Simplon und Monte Rosa. Die Alten im Ort wissen schon wohin die Leute mit schweren Rucksäcken wollen und dirigieren den Wanderer durch das Granitlabyrinth der alten Häuser im Oberdorf. An der Casa Rosa, einem rosa gestrichenen Haus mit Brunnen davor, beginnt der 1200 Meter TrontanoAufstieg Richtung Alpe Rina.

Steil bergan durch den Wald folgen wir dem Weg Richtung Rifugio Parpinasca. Obwohl wir immer mal wieder den Fahrweg kreuzen genießen wir die Route, die herrliche Ausblicke bis zum Monte Rosa bietet.

Die Orientierung mit der Schweizer Landeskarte ist eher schwierig. So ist der eingezeichnete Idealweg kurz vor der Bachquerung unterhalb des Rifugio  nicht mehr sichtbar. Wir steigen also an der Hütte vorbei weiter auf. Das Rifugio ist oft am Wochenende bewirtschaftet, was konkret Sabato & Domenica heißt.

Der Wegweiser oberhalb der Hütte ist wörtlich zu nehmen. Richtung peilen und dann weglos den Hang hoch an mehreren schönen Almen vorbei und dann weiter auf einem Pfad steil im Wald hoch.  Der Sattel der Alpe di Nava ist eine Erlösung. Von hier kommt, mit bloßem Auge kaum erkennbar,  die Alpe Rina in Sicht. Sie liegt auf einem Felssporn, wie ein Adlernest Alpe-Rina fast 1500 Meter über Domodossola. Unglaublich, was Menschen bewog sich im Sommer an diesem Ort niederzulassen. Wir kommen schnell zum Schluß, dass es wohl die pure Not war. Vom Sattel schlendern wir auf einer Höhenlinie entlang zur Alm auf 1720 Meter. Alles in allem 4 anstrengende Stunden ab Trontano.Die Hütte wurde erst im Juli 2006 eröffnet und ein Blick ins Hüttenbuch mit seinen  wenigen Einträgen verrät den “Grad der Einsamkeit”! Sie bietet Holzofen, Gaskocher und eine Wasserstelle 20 Meter unterhalb. Der Blick ist genial, Simplon, Monte Rosa, Ossolatal…alles da! Dieses Granitfestung  zu heizen ist allerdings  eine echte Herausforderung. Alpe RinaDa ist es besser man hat Wetterglück und genießt vor der Hütte den Blick auf die 4000er und die am Abend funklenden Lichter von Domodossola.

Die Nacht auf der Isomatte wird auch dadurch erträglicher, dass wir genügend Rotwein im Rucksack haben und uns die Anstrengungen des steilen Aufstiegs sofort ins “Koma” fallen lassen….

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….bester deutschsprachiger Wanderführer für das Val Grande

Geschrieben von Michael | Abgelegt unter Hütten, Piemont | Keine Kommentare

Vom Valle Maggia ins Centovalli… zum besten Brassato des Tessin (3/3)

Der Abstieg von der Alpe di Ribia ins Val Vergeletto ist exakt so steil wie er von oben aussah. Durch den Wald windet sich der Weg in engen Kehren hinunter über einige mit Drahtseilen versicherte Felsplatten, bis wir schließlich beim Weiler Piei 900 Meter tiefer den Talboden erreichen.

Auf dem Fahrweg schlendern wir in Richtung Vergeletto, von wo der Schweizer Postbus die 6km nach Mosogno überbrückt. Am oberenMosogno Ortseingang führt ein schön gepflasterter Weg hinunter zum alten Teil des Dorfes, der nur zu Fuß erreichbar ist. Hier steht die Zeit still…und das nur 100 Höhenmeter von der nächsten Straße!

100 Meter weiter unten queren wir sie Schlucht auf der Ponte Nuovo.

Ab hier steht der Weg mal wieder abschnittsweise unter dem Motto "Blut, Schweiss und Tränen". Steil windet sich der Pfad im Mischwald empor. Ohne dass wir noch daran glauben, erreichen wir schließlich nach 700 Metern Steilaufstieg eine schöne Waldlichtung die auf einem Sattel oberhalb der Monti di Comino liegt. Hier hat uns der Tageswandertourismus wieder. Mit der kleinen 4er Seilbahn lässt es sich eben zu leicht aus dem Centovalli "einschweben". Monti di Comino Los ist trotzdem nichts.

Wir schlendern fast eben an der Kirche  Madonna della Segna vorbei hinüber zum Tagesziel "Alla Capanna". Die herrliche Terrasse  mit den Granittischen ist eine Oase für uns ausgepowerte Wanderer. Der Empfang ist sehr herzlich und das isotonische Weissbier, das wir in Anbetracht des Flüssigkeitsverlustes beim Aufstieg zunächst dem Merlot del Ticino vorziehen, ist an diesem Ort zwar nicht gerade stilecht, zischt aber dennoch ordentlich!

Die Capanna ist eine hervorragende Wahl. Sehr gepflegt, top Duschen und ein geräumiges, blitzsauberes Matratzenlager unter dem Dach. Nur der Blick ins Centovalli und auf den Gridone wird heute mehr und mehr von Wolken getrübt.

Das tut allerdings dem kulinarischen Höhepunkt am Abend keine Abbruch. Das Brassato (in Rotwein geschmorter Rinderbraten) mit Risotto ist ein Alla-Capanna-Monti-di-CominoTraum! Da das aber nur mit stundenlangem Schmurgeln erreichbar ist, sollte man auf jeden Fall vorab reservieren und dabei das Codewort "Brassato" erwähnen. Das klappt prima, da die nette Wirtin Deutsch spricht. Wir haben dann auch noch das Glück alleine hier zu sein und daher die volle Aufmerksamkeit in Küche und Service zu genießen.

Wem nach einer schönen Alternative ist, der kann auch eben 10 min weiter gehen und im Al Riposo Romantico ebenfalls am Granittisch schlemmen. Nelly, die frühere Wirtin, ein Tessiner Original und wohl im halben Kanton bekannt, hat das Riposo seit einiger Zeit abgegeben. Das führte durchaus zu einer positiven Weiterentwicklung von traditioneller Grottokost, hin zu bodenständigen Slow Food gerechten Feinheiten, wie andere Gäste von dort berichten.

Entdecken Sie mehr: Vom Valle Maggia zur Capanna Alzasca (1. Tag)

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Geschrieben von Michael | Abgelegt unter Hütten, Restaurants, Schweiz, Tessin | 2 Kommentare

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