Monatsarchiv für Mai 2011

Du suchst im Moment im Archiv von Magic Mountainzones.

Ein Wanderhighlight erster Klasse im Val Grande Nationalpark, …oder warum man die “Strada Sutermeister” durch die wilde Schlucht des Rio Pogallo nicht verpassen sollte!

Val_Grande_Nationalpark Der Val Grande Nationalpark im Hinterland des Lago Maggiore wird vielfach als die “letzte Wildnis der Alpen” bezeichnet. Hätten Sie gedacht, dass es trotzdem hier eine Art “Wanderhighway” gibt, der sogar familientauglich ist? Tatsache! Im Val Pogallo unterhalb von Cicogna, dem einzigen bewohnten Dorf im Park, findet sich diese geschichtsträchtige Route durch die wilde Schlucht des gleichnamigen Flusses. “Strada Sutermeister” heißt sie,  benannt nach ihrem Erbauer, dem Schweizer Carlo Sutermeister, einer Art umtriebigem Universalgenie (im Bild sitzend in Mitten seiner Großfamilie). 

Carlo-SutermeisterÜber dessen vielfältige Aktivitäten im Val Grande und am Lago Maggiore haben wir ja bereits an anderer Stelle berichtet. Die “Strada” die seinen Namen trägt ist letztlich durch seine holzwirtschaftlichen Aktivitäten in Pogallo zu Beginn des letzten Jahrhunderts entstanden. Um dieses herrlich gelegene Holzfällerzentrum leichter erreichen zu können und Mensch und Material schnell zwischen Cicogna und Pogallo bewegen zu können hat sich Sutermeister schon was besonderes einfallen lassen!. Mitten durch die Schlucht ließ er einen bequemen Weg anlegen, der den Namen “Straße” über weite Strecken ohne Zweifel verdient. Und das trotz der wilden Topographie im Tal des Rio Pogallo! Es fasziniert zu studieren, wie

Strada-Sutermeister-Val-Gra Strada-Sutermeister-1-Val-G

elegant die Baumeister Sutermeisters die Trockensteinmauern in die steilen Hänge der Schlucht gefügt haben. Teils in mehreren Etagen wird das Bauwerk abgesichert und schafft so, insbesondere im unteren Teil, nahe Cicogna, tatsächlich eine brettebene, mit massiven Steinplatten gepflasterte “Straße”. Dass das heute eine traumhafte “Piste” für Wanderer ist dürfte klar sein.

Je weiter wir ins Val Pogallo vordringen, desto wilder wird allerdings die Szenerie. Das hat auch die Architekten Sutermeisters herausgefordert. Immer wieHolzfaeller-Val-Grandeder mussten sie steile Rinnen durch Stützmauern unterfüttern, um darauf einen bequemen Pfad für die Holzfäller anzulegen. Und das waren wohl teils wilde Gesellen. Der Blick in die Gesichter der Holzfällergruppe im Bild links lässt uns erahnen wie hart das Leben der Männer (und der einzigen Dame!) damals gewesen sein muss. Allerdings sorgte Sutermeister auch für Zerstreuung. So gab es im abgelegenen Pogallo sogar Kneipen! Leider sind die heutzutage geschlossen…. Der Weg schlängelt sich weiter durch die Schlucht und wir erreichen bald den eindrucksvollsten Abschnitt. An dieser Stelle quert die Strada eine steile Felswand, qStrada-Sutermeister-4-Val-Guasi eben! Das Geheimnis sind an der Wand mit Hilfe von Eisenklammern befestigte Granitplatten, die diese heikle Stelle entschärfen und zum Spaziergang machen. Von der Nationalparkverwaltung bestens mit einem Stahlseilgeländer abgesichert schlendert man hoch über dem Fluß Pogallo entgegen. Und unter uns nichts als heiße Luft! Beeindruckend! Wie das von der anderen Schluchtseite, von einem wesentlich schwierigeren alten und aufgelassenen Weg aussieht, kann man hier sehen. Überhaupt hat die Parkverwaltung in dieser Gegend ihr Bestes gegeben. Dort wo ein Felssturz die “Strada” unpassierbar macht, wurde zum Beispiel mal  eben eine sehrStrada-Sutermeister-Bruecke interessante rechtwinklige Brückenkonstruktion installiert, die auch diese Passage zum Kinderspiel macht. Wir nähern uns schließlich Pogallo, dem früheren Zentrum des Holzgewerbes, allerdings nicht ohne immer wieder auf Relikte alter Seilbahnen zu stoßen, mit denen Sutermeister die Stämme zu Tal fahren lies. Aber über die hochinteressanten und leider auch in weniger erfreulicher Hinsicht zu Bekanntheit gelangten Vorgänge in Pogallo haben wir ja andernorts schon ausführlich berichtet.

Hier erfahren Sie mehr über Touren im Val Grande Nationalpark!

Der besten aktuell verfügbare Wanderführer und die beste Wanderkarte:

Val-Grande-Wanderführer Wanderkarte-Val-Grande

Geschrieben von Michael | Abgelegt unter Ossola, Piemont | 2 Kommentare

Zermatt und das Matterhorn kennt jeder, oder? Interessante Einsichten im Alpen Disneyland auf der “anderen” Seite des Theodulpasses.

Matterhorn-Zermatt-schwarz- Was haben handgehäkelte Rösti mit Spiegelei, der ehrwürdige britische Alpine Club, ein gerissenes Erstbesteigerseil und griechisch beflaggte Almhütten gemeinsam? Richtig, sowas kommt in unseren Lieblingsgebieten im Südwestalpenbogen normalerweise nicht vor. Und dennoch ergibt diese Kombination eine spannende Melange die, obwohl alles andere als einsam, dennoch unserem Konzept “Berge, Genuß & mehr!” voll gerecht wird! Es hat uns also auf die “andere” Seite des Theodulpasses verschlagen, nach Zermatt, ins WaKlein-Matterhorn-Gipfelkreullis. Auf die Nordseite der über 4000 Meter hohen Mauer, die den Norden vom Süden und den Massentourismus von den Individualisten trennt. Wir konnten nicht widerstehen und mussten einfach, dem Kaiserwetter folgend, mal wieder die sensationelle Kombination von 28 Viertausendern, Gourmethütten und spannender Alpingeschichte ansteuern. Zermatt, das Bergsteigerdorf das jeder kennt, gibt bei genauem hinsehen mehr her als “nur” das Matterhorn oder zig Kilometer lange Skipisten. Wo man sich befindet, macht das Tourismusmarketing dem geneigten Gast sofort klar. Nämlich im Paradies!  Alles heißt hier “Paradise”… Matterhorn “Paradise”, Matterhorn-Zermatt-GondelRothorn “Paradise”, Gornergrat “Paradise”, und so weiter und so fort. Da fällt es schwer auf dem Boden der alpinen Tatsachen zu bleiben. Allerdings könnte das auch an den phantastischen Eindrücken liegen die einem diese einmalige Kombination aus hochalpiner Szenerie, Dramen der Alpinismusgeschichte und Berghütten mit Gault Millau Punkten unauslöschlich ins Gedächtnis brennt. Da sei zunächst mal die kulinarische Seite erwähnt…. Wer einmal bei “Chez Vrony” in Findeln, dem Walliser Vorzeigealmdörfchen, mit sensationellem Matterhornblick getafelt hat und dabei keinen einzigen der aktuell 13 Gault Millaut Punkte dieser Oase  angezweifelt

Zermatt-Findeln-Vrony Vrony-Zermatt
Vrony-Zermatt-1 Chez-Vrony-Zermatt

hat, der wird bestätigen können, dass der Ort trotz aller massentouristischer Infrastuktur etwas einmaliges hat. Wo sonst wird man auf höchstem Niveau derart verwöhnt, während man auf einem Schaffell liegend auf  einen der  geschichtsträchtigsten Viertausender blickt, aFluhalp-Matterhorn-Zermattn dem mehr Menschen umkamen, als an jedem anderen Berg der Alpen? Aber auch die Fluhalp bietet,  etwas weniger “gestyled” und mehr Berghütte als Lifestylelounge, einen Matterhornblick vom feinsten. Und das bei gleichzeitiger kulinarischer Kompetenz, die bis zum Bisonfilet an schwarzem Trüffel reicht! Damit man auch merkt, dass man nicht im Paradies ist, sondern “nur” in Fluhalp-Zerrmattder Schweiz, ist die Speisekarte vorsichtshalber mit einem Schweizer Kreuz markiert! Kein Wunder, dass die Fluhalp schon mal die Alpin-Hütte des Monats war. Irgendwie ist das kaum auszuhalten. Wenn einem soviel  Gutes wird beschert, … dann weckt  das den Wissensdurst und man möchte mehr erfahren über diesen Ort, die 4000er und das Tal. Was liegt da näher als ein Besuch im Matterhornmuseum. Um dahin zu kommen erlegen uns die Götter nochZermatt-Freddy eine harte Prüfung auf. Auf dem Weg nach unten müssen wir bei “Freddy” vorbei. Und das ist der beste Röstistopp nördlich des Theodulpasses! Warum er die griechische Flagge gehisst hat, ist uns bis heute ein Rätsel. So blieb dann auch die  Frage nach Souvlaki mit Matterhornblick dezent unbeantwortet…. Aber die Rösti mit dem grandiosen hausgeräucherten Speck sind ein würdiger Ersatz! Allerdings nicht zu vergleichen mit der hangdehäkelten Version, die das Bergrestaurant Sunnegga anbietet! Einige Stunden und einige Gläser Fendant später scGehaekelte-Roesti-Sunegga-Zhaffen wir es  schließlich bis ins Tal, wo uns ein weiteres Highlight erwartet, das sich unter dem Kirchplatz von  Zermatt verbirgt. Oberirdisch nur als schrille Glaspyramide zu erkennen, die unzweifelhaft die Form des Matterhorns wiederspiegelt, erschließt sich uns unterirdisch eines der eindrucksvollsten alpinen Museen, die wir je gesehen haben. Hier werden Dramen lebendig! Sei es der Kampf ums nackte Überleben, den die Walliser Bergbauern hier noch vor hundert Jahren ausfochten, oder das legendäre Drama um die Matterhornerstbesteigung. Was da auf kleinem Raum geboten wirdTaugwalder-Fuehrerbuch-Zerm ist mehr als beeindruckend! Ob es das original Führerbuch von Vater & Sohn Taugwalder, den Führern von Whymper bei der Erstbesteigung ist, oder gar  deren zerissenes Seil, das auf einem Samtkissen präsentiert, die Tragödie von 1865 bei der im Abstieg vier von sieben über die Nordwand in den Tod stürzten fast etwas verharmlost. Für Bergfreunde gibt  es hier Reliquien die man so schnell nicht vergisst genau wie Dokumente über Charaktere die einem einfach nur Respekt abnötigen. Taugwalder-Seil-ZermattSo wie der älteste Bergführer der Welt, Ulrich Inderbinen, der 371 mal auf dem Gipfel des Matterhorn stand, zuletzt mit 89 Jahren! Aber auch die bewegte Geschichte der internationalen Edeltouristen, die Zermatt berühmt gemacht haben, kommt nicht zu kurz. So erzählen die im Museum ausliegenden Gästebücher der Gandhotels die spannenden Geschichten all der namhaften und namenlosen Besucher die schon vor 130 Jahren den Viertausendern nicht widerstehen konnten. Oder wussten Sie etwa, dass Winston Churchill (wer hätte das gedacht?!) den Monte Rosa und TWalt-Disney-Zermattheodore Roosevelt das Matterhorn bestiegen hat?  Und einer der illustren Gäste kommt uns dann doch spanisch vor: Walt Disney! Er logierte 1959 im ersten Haus am Platz, dem Zermatterhof. Warum und wieso ist nicht überliefert. Daher also das Konzept von Alpen Disneyland! Und wir dachten schon die Zermatter seien da selbst drauf gekommen……

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...

Geschrieben von Michael | Abgelegt unter Schweiz | Keine Kommentare