Archiv für das Tag 'Val Sesia'

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Das “schwarze” Tal….. eindrucksvolle Walserkultur und der Blick auf das höchstgelegene Haus Europas.

Walserhof-Peccia Der Talboden des Val Vogna liegt noch in tiefem Schatten, als wir uns im gleichnamigen Rifugio auf eine herrliche Tour über den Passo del Maccagno vorbereiten. Die Gipfelkämme dieses Seitentals des Val Sesia auf der Monte Rosa Südseite glühen bereits in der glasklaren Morgensonne. Daher fällt die Vorbereitung kurz aus. Uns zieht es nach draußen in dieses herrlich einsame Tal, das wir bereits von früheren Besuchen kennen. Das schwarze Tal nennt es Eberhard Neubronner in seinem sehr einfühlsam geschriebenen gleichnamigen Werk. Wer das gelesen hat, für den wird diese Wanderung die immer Peccia-Stadel wieder durch kleine Walsersiedlungen führt und Blicke auf die an den steilen Talflanken verstreuten Walserhöfe freigibt, zu einem besonders eindrucksvollen Erlebnis. Immer wieder stößt man auf schöne Relikte dieser alten Kultur. Der Gedanke an die Härte dieses Daseins in einer wunderschönen Landschaft in der den Menschen aber nichts nichts geschenkt wird folgt auf dem Fuße. Das ruft die Erzählungen der letzten “Alten” im Tal wach, die Neubronner so eindrücklich in seinem Buch festgehalten hat. Besonders der Weiler Peccia hat es uns angetan. Nur eine Hand voll Häuser und Walserhöfe die jedoch im vollenAufstieg-Val-Vogna-1 Blumenschmuck sogar im morgentlichen Zwielicht ein herrliches Bild abgeben. Da wird die Geschichte dieses Volkes, das ab dem 13. Jahrhundert unter anderem die Täler südlich des Monte Rosa von Norden her besiedelte, spontan wieder lebendig!

Kurz oberhalb von Peccia muss man sich entscheiden. Der Aufstieg Richtung Westen führt über das Rifugio Ospizio Sottile hinüber nach Gressoney St. Jean im Lystal, während der Weiterweg dem Richtung Süden verlaufenden Tal folgend über den Passo del Maccagno nach Piedicavallo führt.  Wir entscheiden uns für letzteres, bleiben auf der Route der Grande Traversata delle Alpi und steigen gemächlich in der kühlen Morgenluft die noch im Talgrund liegt der Sonne entgegen. Die schöne Mulatierra zu Beginn macht es uns leicht. Der Torrente Vogna, der Bach der dem Tal seinen Namen gab, ist ein stetiger glasklarer Begleiter. Aufstieg-Val-Vogna

Vorbei an saftig grünen  Inseln im Bachbett geht es zügig bergan. Die ausgewaschenen Felsgumpen laden immer wieder zu einem Badestopp ein. Doch der Blick auf die in der Sonne glänzenden Grate um uns herum ist stärker. Wir erinnern uns noch gut, wie schön auch der obere, steilere Teil des Aufstiegs ist. Hier führt der Weg über herrlich saftige Matten und je höher man steigt, desto eindrucksvoller wird der Blick zurück ins Tal. Immerhin etwa 1150 Höhemmeter sind zwischen Sant Antonio und dem 2495 Meter hohen Passo del Macagno zu überwinden.

Wir haben inzwischen den Schutz des Talbodens verlassen und steigen nun in der prallen Vormittagssonne auf. Da ist so manche Trinkpause angesagt um flüssigen Treibstoff nachzuladen. Und bei einer dieser Pausen ist es dann soweit! Die wenigen Schönwetterwolken machen den Blick frei auf das höchste Haus Europas, die Capanna Margherita auf der Signalkuppe des Monte Rosa. Capanna-Margherita In 4554 Metern Höhe trohnt dieser schwarze Holzbau, der heute u.a. ein höhenmedizinisches Labor beherbergt. Unglaublich, wie es sich die italienische Königin im Jahre 1893 nicht nehmen lies zur Einweihung der nach ihr benannten Hütte im Rock und höchstpersönlich auf die Signalkuppe zu steigen! Wir haben bescheidenere aber dennoch lohnende Ziele. Obwohl die Signalkuppe einen Ausblick auf 477 Gipfel bieten soll! Wir freuen uns stattdessen auf die Mittagsrast auf der wunderschön gelegenen Alpe Maccagno, bevor es dann durch eine eindrucksvolle Blocklandschaft weiter zum Rifugio Alfredo Rivetti geht.

…zu weiteren Touren auf der Grande Traversata delle Alpi

…”Der Weg”, Klassiker von E. Neubronner zu GTA und Val Vogna

…wer sind eigentlich die Walser? (mehr Bilder aus dem Val Vogna!)

…das Rifugio Val Vogna

Geschrieben von mountainzone am 24. Mai 2009 | Abgelegt unter GTA, Italien, Piemont, Täler | Keine Kommentare

Val Vogna: Ein Rifugio mit angeschlossener Kapelle, Walserkultur vor der Tür und das beste geschmorte Kaninchen südlich des Monte Rosa.

Sant-Antonio-Val-Vogna-Schi Das “schwarze Tal” kannten wir schon von früheren Besuchen. Und genau deshalb konnten wir nicht widerstehen unsere GTA Tour mit einem erneuten Besuch dieses genialen Ortes zu verbinden. “Schwarzes Tal”, so bezeichnet Eberhard Neubronner in seinem gleichnamigen Buch das Val Vogna, ein herrliches einsames Tal südlich des Monte Rosa, wenige Kilometer von Alagna Val Sesia entfernt. Hier verbindet sich grandiose Natur mit 4000er Blicken, der  Kultur der Walser und dem Charme italienischer Gastfreundschaft in einem uns bereits bestens bekannten Rifugio.

Wir haben schon einige eindrucksvolle Impressionen unserer heutigen Etappe auf der Grande Traversata delle Alpi im Kopf Rifugio-Val-Vognaals wir den Weg von Alagna Val Sesia bis nach Riva Valdobbia per Bus abkürzen. Die Vorfreude auf das Rifugio Val Vogna im Weiler Sant’ Antonio auf 1381m ist so stark, dass wir unsere geballten Italienischkenntnisse mobilisieren um den Chef des Hause per Telefon zu überreden uns in Riva abzuholen. Das spart eine gute Stunde auf dem asphaltierten Talsträßchen und verlängert somit das zu erwartende Genußerlebnis. Wir sind schließlich erfolgreich und treffen motorisiert und damit nicht ganz stilecht im Weiler Sant’ Antonio ein.

Hier erwarten uns die eindrucksvolle Kombination alter Walserhöfe, die St. Antoniuskapelle mit Ihrer schönen Fassadenbemalung und das Rifugio Val Vogna. Letzteres strahlt Dank der Rifugio-Val-Vogna-Granitdaeengagierten Besitzer unmittelbare mediterrane Gastfreundschaft aus. Liebevoll restauriert, wie zum Beispiel die gemalten Fensterläden auf der Fassade zeigen, bietet es eine erstklassige und authentische Übernachtungsmöglichkeit auf der GTA und auch auf dem großen Walserweg, der hier mit der GTA zusammentrifft.  Die Walserhöfe und die Kapelle in direkter Nachbarschaft laden noch vor dem Abendessen zu einem Spaziergang in die Vergangenheit ein. Der Blick auf die Grantilandschaft der Steindächer von Sant’ Antonio erzeugt die richtige Muße am Ende eines eindrucksvollen Tages. Wer  “Das schwarze Tal” gelesen hat kann sich dabei richtig in die letzten im Tal verbliebenen Charaktere,Menue-Rifugio-Val-Vogna die Eberhard Neubronner in seinem Buch so eindrucksvoll beschreibt, hinein versetzen. Ein heute vergessenes Tal in dem das Überleben ein harter Kampf war und für einige wenige heute noch ist….

Uns stehen weniger harte Zeiten bevor. Wir freuen uns, mit einem Glas Rotwein in der Hand auf der Bank vor dem Haus sitzend auf die zu Dolcetto-Papa-Celsoerwartenden kulinarischen Höhepunkte. Klassischer Beginn ist eine herrliche Pasta, gefolgt von dem besten Kaninschenschmorbraten  südlich des Monte Rosa. Das butterzarte Fleisch zeugt von einer liebevollen Zubereitung mit allen Wildkräutern die das alpine Tal hergibt. Dazu traditionell eine cremige Polenta, Mangold und Insalata. Und über all das wacht “Papa Celso”  der  Namensgeber des erstklassigen Dolcetto aus dem Hause Abbona, den der Gambero Rosso mehrfach mit drei Gläsern ausgezeichnet hat. Wüssten wir nicht, dass uns morgen Kaiserwetter und eine unserer Lieblingsetappen auf der nördlichen GTA erwartet, wir blieben glatt noch einen weiteren Tag hier…..

Rifugio-Val-Vogna-SchildAm Ende siegt doch noch die Vernunft und wir ziehen uns zu nächtlicher Stunde in das gemütliche Lager direkt unter dem tonnenschweren Granitdach zurück. Schließlich wissen wir von früheren Besuchen bereits welches eindrucksvolle Bergerlebnis uns am nächsten Tag erwartet. Und da wollen wir natürlich hellwach sein!

wer sind eigentlich die Walser?

mehr Wanderungen auf der Gande Traversata delle Alpi

Geschrieben von mountainzone am 2. Mai 2009 | Abgelegt unter GTA, Hütten, Italien, Piemont, Täler | Keine Kommentare

Von Rima über den Colle Mud ins Val Vogna. Ein digitales Höhenprofil auf Walserwegen südlich des Monte Rosa.

RimaDen kulinarischen Boxenstop im “Grillo Brillo”, der angeheiterten Grille, in Rima hatten wir bestens überstanden als wir am nächsten Morgen versuchen den Colle Mud zu lokalisieren. Der bildet den Scheitelpunkt unseres heutigen Weges hinüber nach Alagna Valsesia.

Die tief hängenden Nebelschwaden die das konsequent verhinderten sollten zum Tagesprogramm werden….  Diese Etappe auf der Grande Traversata delle Alpi hat ein für den nördlichen Teil typisches “digitales” Höhenprofil: Zwei Talorte und dazwischen ein Pass. 1000m rauf und 1000m runter. Getreu dem Motto “What goes up, must come down!”

Zunächst gemächlich und dann immer steiler windet sich der gute historische Verbindungspfad zwischen Rima und Alagna in Richtung GTA_Colle Muddes 2324 Meter hohen Colle Mud empor. Der Nebel hat uns heute fest im Griff. Und das auf einer Etappe, die wohl die besten Einblicke in die Monte Rosa Ostwand bietet, wenn der Wettergott es will…. Aber auch die dramatischen Wolkenspiele haben was für sich und so trotten wir hoch, den Blick eher auf die nähere Umgebung und die interessanten Stimmungen konzentriert die diese Wetterküche schafft. Rima verschwimmt unter uns in schemenhaftem Grau….

Umso erfreulicher, dass wir kurz nach dem Colle Mud nicht ganz unerwartet auf eine Oase stoßen. Das Rifugio Ferioli klebt auf 2264 Metern am Steilhang. Als wir Rifugio Ferioli die aus der alten Alpe Mud entstandene Hütte betreten dampfen vor den wenigen Gästen bereits die Teller mit einer köstlichen Minestrone. Schon wieder Nebel! Diesmal allerdings einer der genüsslichen Art. Der Gast hat hier eigentlich nur zwei Optionen. Entweder er bestaunt auf der Terrasse das gigantische Monte Rosa Panorama, oder er nutzt den Schutz der Hütte um bei dem uns vergönnten “Sauwetter” Minestrone und Pasta  von bester Qualität zu genießen und das dann notgedrungen auch nicht schlecht zu finden. Genial ist natürlich die Kombination!

Auch das Warten in der gemütlichen Hütte hilft nichts. Der Wettergott hat kein Einsehen. Rifugio FerioliSo machen wir uns an den steilen Abstieg nach Alagna Valsesia. Hier hat uns der moderne piemontesische Tourismus wieder. Darüber kann auch der altehrwürdige Gasthof (!) Monte Rosa, den wir beim “Einmarsch” passieren nicht hinwegtäuschen. Der Ort hat eine wechselvolle (Tourismus-)geschichte hinter sich die geprägt ist von Erschließung und Schließung. So hatte Alagna z.B. die erste kuppelbare Kabinenbahn der Welt. Erbaut 1947! Viele der Liftanlagen, die in den Rifugio Ferioli mit Colle Mud 1940er und 50er Jahren  entstanden wurden nicht konsequent weiterbetrieben und modernisiert. So war es ein stetiges auf und ab bei dem man so manches mal den Trend der Zeit verschlief. Heute ist der Monte Rosa die touristische Lebensader des Ortes. Trotz aller Infratruktur  gibt es noch viele schöne Relikte der Walser, z.B. die schönen Walserhöfe, die einen im oberen Talschluß begrüßen, noch weit bevor man das Dorfzentrum  erreicht. Dieses Volk besiedelte Alagna im 13. und 14. Jahrhundert. Von Carcoforo und Rima kommend benutzten die Walser schon Gasthof Monte Rosa Alagna Val Sesiadamals unsere GTA Route der vergangenen Tage. Einen Cappuchinostopp mit Blick auf das rege Treiben auf der Hauptstraße und einen Rundgang über den eindrucksvollen Friedhof mit seinen mit Granitschindeln gedeckten Grabmonumenten gönnen wir uns, bevor wir die drei Staßenkilometer nach Riva Valdobbia mit dem Bus abkürzen. Hier befindet sich der Einstieg zum Val Vogna, dem “Schwarzen Tal” wie es Eberhard Neubronner , der Literaturpreisträger des Deutschen Alpenvereins in seinem eindrucksvollen gleichnamigen Buch beschrieben hat. Und dort erwartet uns das wunderschöne Rifugio Valle Vogna.

zur angeheiterten Grille von Rima

Einstieg in die GTA: Vom Orta See nach Campello Monti

mehr Touren auf der Grande Traversata delle Alpi

mehr über die Walser

Geschrieben von mountainzone am 26. April 2009 | Abgelegt unter GTA, Hütten, Italien, Piemont, Täler | Keine Kommentare

Der Weg über den Colle Egua nach Carcoforo…. Monte Rosa Blick und das skurile Relikt eines Autozars.

Aufstieg Val Baranca Colle EguaDer Abschied im Stella Alpina in Roj fällt schwer, bei der guten Unterbringung und der herzlichen “Betreuung”! Aber wir wissen um die großartigen Ausblicke des heutigen Weges und auch um  die kulinarischen Qualitäten die uns am Zielort Carcoforo, einer der kleinsten Gemeinden Italiens wieder erwarten. Das motiviert die 1100 Höhenmeter bis zum Colle Egua unter die Sohlen zu nehmen! Wir haben Glück: Die “Betreuung” schließt heute den 10 minütigen Autotransfer bis zum Ende der Straße im Weiler Campo ein. Zu Fuß wären das fünf eher unangenehme Asphaltkilometer gewesen…

Das Val Baranca empfängt uns mit sattem Grün und dem erfrischenden Gegurgel des Mastallone Baches. Da steigt die Vorfreude auf den Aufstieg. Der führt über beeindruckende Weganlagen! Eine Mulattiera schöner als die andere…. Diese Bergwege ermöglichen durch Ihre immer gleiche Steigung und exzellente Pflasterung mit Steinplatten ein fast ermüdungsfreies Steigen. Durch Ihre Breite, die es oft ermöglicht zu zweit nebeneinander zu gehen, wird der Aufstieg darüber hinaus außergewöhnlich kommunikativ. Eine richtige Wanderautobahn, angelegt über Jahrhunderte und heute ein eindrucksvolles Relikt der Baukunst, aber auch der Mühen früherer Generationen.              Mulattiera Alpe Barranca

Wir genießen diesen Luxus und gewinnen schnell an Höhe. Bei der Alpe Baranca, die eine sehr gute Übernachtungsalternative darstellt und wo nach Aussage von Freunden die Bewirtung ebenfalls erstklassig ist, finden sich einige besonders eindrucksvoll ausgebaute Wegabschnitte. Wir widerstehen der Versuchung hier einzukehren und gehen stattdessen die Steilstufe an, über die das Wasser des Lago Baranca zu Tal stürzt.

Val Baranca Doch hier ist nicht die schöne Mulde in der der kleine See liegt die Attraktion, sondern ein Relikt früherer Zeiten das sich weiter oben am Weg zum Colle Egua befindet. Nach Duchquerung des Talkessels erreichen wir die noch bestoßene Alpe Selle (1824m). Mehrere einfache Granit Hütten zeugen vom harten Leben hier oben und die Gesichter der beiden Älpler strahlen eine große innere Ruhe aus. Die gegerbten Blick erzählen aber auch von vielen arbeitsintensiven Almsommern.Alpe Selle Nur einen Steinwurf von der einfachen Alm entfernt findet  sich dann  ein Überbleibsel des Luxus vergangener Tage. Vincenzo Lancia, der große Autobauer und Rennfahrer, der am 24. August 1881 hier im Tal geboren wurde hinterließ am Weg zum Paß die Ruine seiner Sommervilla. Größer könnten die Gegensätze nicht sein… Allerdings konnten ihn auch die gute Bergluft und die Aufenthalte in diesem skurilen Rifugium nicht davor bewahren bereits früh, im Alter von 57 Jahren, an einem Herzinfarkt zu sterben. Zu Lebzeiten hat Lancia aber bei allen Erfolgen sein Heimatdorf Fobello nie vergessen und sich als großzügiger Gönner gezeigt. Zum Beispiel beim Wiederaufbau der vom Hochwasser zerstörten Kirche des Dorfes. Villa Vincenzo Lancia

Wir haben andere Sorgen. Wir wollen in die Monte Rosa Ostwand schauen! Beim Aufstieg steigt die Spannung da uns klar ist, dass sich die imposante mit Hängegletschern durchsetzte Wand auch bei schönem Wetter am Colle Egua oft in Wolken hüllt. Und so sollte es uns heute gehen. Umso eindrucksvoller Monte Rosa Ostwand vom Colle Eguaallerdings das

Schauspiel, wenn der Wind die Vorhänge dieses großartigen Naturtheaters immer wieder kurz auf und zu macht.  So fokussiert sich unser Blick am Paß talwärts auf den schönen Abstieg über Almwiesen nach Carcoforo und auf den gegenüberliegen Aufstieg zum CarcoforoColle del Termo der für den nächsten Tag geplant ist. Das Höhenprofil des Weges ist simpel und so ist uns klar,  dass wir nun die gut tausend Höhenmeter die wir hinaufgestiegen sind auch wieder runter müssen. Über schöne Wiesen führt der Pfad schnell talwärts und damit steigt die Vorfreude auf den kulinarischen Teil des heutigen Konzeptes. Nach gut sechs Stunden reiner Marschzeit verspricht die in Sicht kommende Granitlandschaft der Dächer von Carcoforo, der wir uns aus der Heliperspektive nähern, Linderung! Noch geht es aber bergab, bis wir schließlich durch die wunderschönen Gassen schlendern und dabei die von den Walsern geprägte Granitarchitektur bewundern, die für so viele Dörfer auf der Monte Rosa Südseite typisch ist. Und ein weiterer Höhepunkt sollte an diesem Tag noch folgen. Wir werden beim Eichhörnchen zu Gast sein!

–> Von Rimella nach Roj

–> Einstieg in die GTA vom Orta See

–> Zu Gast beim Eichhörnchen

Geschrieben von mountainzone am 7. Februar 2009 | Abgelegt unter GTA, Italien, Lago Maggiore, Piemont, Schweiz, Tessin | Keine Kommentare

Von Rimella durch verlassene “Dschungeldörfer” zum kulinarischen Nachtlager in der Käserei von Roj

Die hervorragenden Antipasti in der Albergo Fontana in Rimella wären uns beinahe zum Verhängnis geworden. Zum Glück haben wir ein Ziel das uns dann doch motiviert in Richtung Val Baranca aufzubrechen. Etwa 400 Höhenmeter trennen uns vom Weiler La Res, von wo wir das Ende unserer heutigen Etappe bereits aus der Vogelperspektive im Talgrund anpeilen können. Das sollte im Bezug auf die Orientierung auch noch dringend nötig werden…..

Beim Mittagessen auf der Terrasse der Albergo Fontana können wir bereits den Gegenanstieg studieren. Die Weiler Roncaccio Inferiore und Superiore liegen versteckt im dschungelartigen Grün des gegenüber liegenden Hanges.Roncaccio Wie wir beim Aufstieg schnell merken haben beide Weiler Ihre besten Tage leider lange hinter sich. Ein einziger Mensch begegnet uns und es sieht aus als sei er der Verwalter des Verfalls. Auch einige liebevoll gepflegte Blumenkästen vor zwei oder drei im Sommer noch bewohnten Häusern täuschen nicht darüber hinweg,  dass wir durch eine längst aufgegebene Siedlung wandern. Das erklärt auch warum die Seile der Versorungsseilbahn inzwischen Rost angesetzt haben….

Durch den dichten Wald steigen wir hoch nach La Res, einer Siedlung bestehend aus Kapelle und drei oder vier Häusern. Ein breiter Grasrücken gibt den Blick frei in Schäfer La Resbeide Richtungen. Vor uns der Abstieg zum Nachtlager im Val Baranca, hinter uns Einblicke in den gesamten Weg des Tages bis zurück zur Bochetta di Campello! Mal wieder sind wir-fast-alleine.  Ein alter Schäfer beäugt uns aus der Ferne. Das war’s. Sonst nur Natur und herrliche Tiefblicke ….und die Vorfreude auf all das Gute, was wir schon über unser heutiges Ziel gehört haben.

Der Abstieg zum Weiler Belvedere ist problemlos. Dort angekommen wird es aber mit der Orientierung schwieriger. Hier wurde die GTA verlegt und am besten fragt man in Belvedere nach dem Weg. Wer auf Nummer sicher gehen will nimmt das Fahrsträßchen ins Tal. Vor dem Weiler geht es rechts ab wie sich herausstellen sollte, einer roten Markierung folgend. Wir haben das Glück, dass unsere ratlosen Blicke die Aufmerksamkeit eines ältere Herren auf sich ziehen. Er schlägt ohne Zögern vor, uns ins Tal zu führen.  Immerhin ein Abstieg von Latteria Roj Val Baranca

einer halben Stunde! Mal wieder genießen wir die Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft der Menschen an diesem abgelegenen Ort und fragen uns etwas bedrückt, wie so eine Situation wohl zu Hause ausgegangen wäre…  Durch lichten Wald und immer unser Ziel, den Weiler Roj, vor Augen steigen wir unter fachkundiger Führung ab. Nach kurzem Gegenanstieg erreichen wir die Latteria,Sattel von La Res die Käserei, von Roj mit dem angeschlossenen Bed & Breakfast “Stella Alpina”. Ein echter Glücksgriff. Die hier erzeugten Käse finden nicht umsonst auch bei Slow Food Beachtung. Der Empfang ist herzlich und wir beziehen gemütliche  Appartements (!) …mit allem Komfort und einem Balkon, der im Abendlicht den Blick auf den Abstiegsweg von La Res freigibt.  Hier hat der Chef ein gut geführtes und gemütliches Rifugium geschaffen in dem man für wenig Geld sehr gut übernachten kann. Besonders zu empfehlen ist das Zimmer unter dem Dach. Hier hat der Wanderer im Bett liegend durch ein großes Dachfenster freie Sicht auf den Sternenhimmel. Die Alternative, das Posto Tappa in Santa Maria di Fobello haben wir bei einem früheren Besuch kennen gelernt und können nur warnen. Dort muss man eher mit mangelnder Hygiene bei Essen und Unterkunft rechnen und auch in jüngster Vergangenheit scheint sich daran nicht viel geändert zu haben, glaubt man den Berichten anderer Wanderer.

Das kulinarische Highlight des Tages sollte allerdings am Abend folgen. Der Agriturismo “Il Campetto” am Ende der Fahrstraße ist durch die Überquerung der hinter der Käserei gelegenen Wiese in 3 Minuten erreicht. Wir werden bereits erwartetAntipasti Agriturismo Roj, da uns die Wirtin der Latteria angemeldet hat. Mal wieder die einzigen Gäste, genießen wir eine nimmer enden wollende Folge piemontesicher Köstlichkeiten und die ungeteilte Gastfreundschaft unserer Gastgeber, der Familie Tranquillo.  Marinierte Bohnen, Zungensalat, Gemüsetorte, im Ofen überbackene Crespelle, Salsiccia und als zum Secondo dann noch Hirsch und Kaninchen serviert werden stehen wir kurz vor der Aufgabe. Auch wenn der kleine Käseladen und die voll ausgestattete Küche in der Latteria an Selbstversorgung denken läßt, sollte man sich dieses Erlebnis keinesfalls entgehen lassen!

–> Von Campello Monti nach Rimella

–> Einstieg zur GTA vom Orta See

Geschrieben von mountainzone am 25. Januar 2009 | Abgelegt unter GTA, Italien, Piemont, Restaurants | Keine Kommentare

Zu Gast bei der “angeheiterten Grille” im Val Sesia….ein dreistufiges Genusskonzept auf der Grande Traversata delle Alpi

Wir sind wieder im Piemont und  wieder auf der GTA, jenem traumhaften Weg der in ca. 50 Etappen den Westalpenbogen vom Hinterland des Lago Maggiore und Orta Sees bis zum Mittelmeer durchquert. Und diesmal sind wir sogar aus kulinarischen Gründen auf einem uns bereits bekannten Teilstück im Parco Naturale Alta Val Sesia unterwegs. Im Ristorante Lo Scoiattolo hatten wir uns am Vortag bereits auf höchstem Niveau gestärkt. Also war ein bodenständiges piemontesisches Genußerlebnis genau das richtige Kontrastkonzept für diesen Tag.

Albergo Tagliaferro Rima

Zwischen den Genüssen in Carcoforo und dem auch schon mal für Slow Food Events genutzten “Grillo Brillo”, der angeheiterten Grille eben, liegt allerdings der 2531 Meter hohe Colle del Termo. Entsprechend simpel ist das Höhenprofil des Tages: 1200 Meter hinauf und drüben 1100 Meter hinunter. Der Lohn der Mühe ist ein schön restauriertes Walserdorf mit seinen einmaligen Eindrücken, ein einfaches aber ganz gemütliches Posto Tappa unter dem Dach des Hauses der Nationlaparkverwaltung und eben dieses Grillenrestaurant, das sich als mehrstufiges Genusskonzept entpuppen sollte.  Brillo Grillo

Als wir vor einigen Jahren in Rima waren gab es noch die Albergo Tagliaferro, DAS Traditionshaus am Ort, benannt nach dem Hausberg. Gerne erinnern wir uns noch an das rollende Vorspeisenbuffet, das der Patron immer wieder auf einem Wagen an den Tisch heran rollte,  Ristorante Brillo Grillobis nichts mehr ging!

Auch wenn die guten Zeiten als die Albergo in den 1950ern sogar noch eigene schwarz/weiß Postkarten auflegte lange vorbei sind so finden wir doch bei der Grille einen adäquaten Ersatz, einen dreistufigen sogar.

Die Stufe 1 wird gezündet, als wir auf der hübschen Terrasse mitten im Dorf ankommen und auch deshalb herzlich empfangen werden, weil wir der Chefin einen Brief Ihrer Schwester, die unsere gestrige Unterkunft in Carcoforo bewirtschaftet, mitgebracht haben. Hier kommt  eben die Post noch mit dem Wanderer über den Berg!

Die Terrasse mit Ihren massiven Holztischen und -bänken ist der perfekte Ort um die eindrückliche Walserarchitektur und das Gesamtensemble Rima auf sich wirken zu lassen. Beim Cappuchino ist es herrlich das Treiben und das Kommen und Gehen an diesem zentralen Anlaufpunkt zu beobachten. So kann sich die Stufe 1 leicht den halben Nachmittag hinziehen. Die Kühle des frühen Abends liefert schließlich Grund genug Stufe 2 zu zünden. Im kleinen Gastraum der die Bar und ganze 2 Tische beherbergt machen wir es uns zunächst beim Cafe und dann beim ersten Glas Vino Rosso gemütlich. Da wird über den Tresen hinweg über allerhand lokale Nachrichten schwadroniert, während wir uns bereits mental auf Stufe 3 einstellen.

Pasta Brillo GrilloDie ist dann endgültig erreicht, als uns die Wirtin in das Speisezimmer ruft da das Abendessen fertig ist. Auch hier ist man weit entfernt von Gefühlen die man aus massentouristisch geprägten Etablissements kennt. Der kleine mit dunklem, fast schwarzem Holz getäfelte Raum mit seinen sechs oder sieben Tischen strahlt sofort eine einladende Behaglichkeit aus. Die Kerzenbeleuchtung tut ein übriges. Was dann aus der Küche kommt ist herrlich piemontesisch bodenständig.

Cervo con Polenta Brillo GrilloKeine Schnörkel und deswegen so authentisch! Die Klassiker wie die vorzügliche Pasta seien hier nicht weiter erwähnt, aber der Hauptgang verdient besondere Beachtung. Hirschbratwürste in einer herrlicFormaggio Brillo Grilloh aromatischen Soße mit Waldpilzen und dazu eine cremige Polenta. Da bleibt nicht mehr viel Platz für den Formaggio aus lokaler Herstellung der das Menue beschließt. Wir helfen allerdings mit ausgewählten Köstlichkeiten aus dem Weinkeller nach. Und damit geht es wieder “aufwärts” als wir schließlich zu später Stunde durch die dunklen Gassen in Richtung Posto Tappa wandeln.

–> Nach Carcoforo zum Ristorante Lo Scoiattolo

Geschrieben von mountainzone am 26. Dezember 2008 | Abgelegt unter GTA, Hotels, Italien, Restaurants | Keine Kommentare

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