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Wo Päpste wandern gehen und nicht nur die Berge zu Höchstform auflaufen!

Aostatal_Rutor_Panorama
Kein Wunder, dass der eine oder andere Pontifex die kleinste Provinz Italiens, das Aostatal, über das wir an dieser Stelle ja bereits mit Begeisterung berichtet haben, regelmäßig für einen Wanderurlaub aufsuchte. Vermutlich ist es diese “göttliche” Kombination aus alpinen und kulinarischen Superlativen die einem als Gast immer mal wieder das Gefühl geben, dem Himmel ganz nah zu sein.

Mont_Blanc_Monte_-BiancoWas liegt da näher als eine weitere Erkundung der Region rund um den höchsten Berg der Alpen, der hier eigentlich richtiger Weise Monte Bianco heißt, zu starten. Was mit seinen 4807 Metern wie Musik in den Ohren eines jeden ernsthaften Alpinisten klingt, entfaltet in den Ohren des Wanderers zumindest den Wunsch nach alpinen Traumpanoramen und nach der Erforschung weniger bekannter und daher einsamerer Wege als der zugegebenermaßen eindrucksvollen Tour de Mont Blanc.Aostatal_Mont_BlancDass das Aostatal darüber hinaus, wie sollte es auch anders sein im Dreiländereck Frankreich, Italien, Schweiz, kulinarisch ein gelobter Landstrich ist, blieb natürlich bei unserer Tourenplanung nicht unberücksichtigt. Und dem Papst sind wir dann tatsächlich auch begegnet!

Auf dem Promenadenweg zum Rutor Gletscher
Wir steuern zunächst die “Balconata de La Thuile” an. Ein Höhenweg so ganz nach unserem Geschmack. Hoch über dem Rutor Wildbach geht es über dem gleichnamigen, an der Passstraße zum kleinen St. Bernhard gelegenen Dorf dahin, hinein in ein südwestlich gelegenes, wenig frequentiertes Seitental des Aostatals. Der Name dieses Traumpfades ist Programm. Wie auf einem Balkon geht es Aostatal_Lac-de-Glaciermit 4000er Panorama dahin. Beim Blick zurück bleiben wir immer wieder, vom Ausblick auf den Monte Bianco fasziniert,  stehen und studieren die gewaltigen Gletscher die sich von diesem alpinen Gigant ins Tal wälzen. Abwechslungsreich geht es über schmale Pfade und Blockfelder dahin. Wir bewegen uns in geschichtsträchtigem Gelände. Davon zeugen die Reste der militärischen Befestigungen die uns beim Blick auf die umliegenden Grate immer wieder daran erinnern, das diese Grenzregion auch schon schlimme Zeiten erlebt hat.Aostatal_Rutor_GletscherAn der kurzen Schlüsselstelle, hoch über dem tief grün und blau funkelnden Seeauge des Lac de Glacier, erfordern die Ketten, die unseren “Abflug” hinunter auf den in allen Grüntönen schimmernden Wiesenboden des Pian de la Liere verhindern sollen, unsere volle Aufmerksamkeit. Heiße Luft unter den Sohlen und ein Traumpanorama vor Augen! Was dann folgte, sollte unseren Adrenalinspiegel allerdings noch weiter in die Höhe treiben. Hinter einer Felskante taucht er plötzlich auf, in strahlendem Weiß, der unterhalb der 3486m hohen Testa del Rutor gelegene Rutor Gletscher. Mit seinen 9,5 Quadratkilometern speist er die dreistufigen Rutor  Wasserfälle und eine Vielzahl wunderschöner kleiner Seen an seinem Fuß. Aostatal_Rifugio_DeffeyesDass er in der Vergangenheit schon ganz andere Ausmaße hatte, wird beim Blick in die Geschichtsbücher klar. Im 15. und 16. Jahrhundert kam es mehrfach zu Aufstauungen durch einen Damm auch Eis und Geröll dessen Durchbruch immer wieder schwere Verwüstungen im Tal anrichtete.  Von diesen Naturdramen und der Furcht der Menschen davor zeugt noch heute die Capella di Margherita die in der RiFugio_DeffeyesNähe des Rifugio Alberto Deffeyes, unserem heutigen Tagesziel, auf knapp 2500m errichtet wurde um die Naturgewalten zu besänftigen. Ob die Kapelle die gewünschte Wirkung entfaltet hat, wissen wir nicht. Dass der Klimawandel den Gletscher “entschärft” hat ist allerdings, wie vielerorts in den Alpen, deutlich sichtbar.

Gletschertraum mit Mont Blanc Blick!
Der Morgen vor dem Refugio Deffeyes ist frostig. Rauhreif überzieht die Tische aus grobem Holz, die vor der Hütte dazu einladen das 180 Grad PanoramaTesta-de-Rutor_Gletscher des Rutor Gletschers im warmen Licht der Morgensonne zu bewundern.  Dieser Ausblick zieht uns unweigerlich bergwärts, in eine herrliche Seenlandschaft die die Zungen des Rutorgletschers über Jahrtausende hinweg geformt haben. Immer wieder entdecken wir neue Landschaftsbilder, die sich in der spiegelglatten Oberfläche der Seen vervielfachen. Aosta_RutorWas für ein Auftakt unseres Abstiegstages dessen weiterer Verlauf nicht minder eindrucksvoll werden sollte! War doch die Rückkehr ins Tal entlang der dreistufigen Rutor Wasserfälle geplant. Unser Weg führt hinab auf den Pian de la Liere, eine Almfläche die man nur als Idyll bezeichnen kann. Fast kitschig, dieses Bild von hunderten Schafen, die am Ufer des tief grünen Seeauges ihr Frühstück einnehmen.Aostatal_La-Thuile Gefühlt nähern wir uns diesem Kraftort aus der Vertikalen. Es stellt sich im Abstieg fast das Gefühl ein man sei mit dem Helikopter auf dem Weg ins Tal. Die Kniegelenke erinnern uns dann aber sehr schnell daran, das das nur eine Sinnestäuschung sein konnte!

Gletscherabsturz über drei Kaskaden!
Man kann es kaum anders bezeichnen, was das Schmelzwasser des Rutor Gletschers da anstellt. Rutor_Wasserfaelle_Panorama Mit Urgewalten schießen die Wassermassen über mehrere Felsstufen zu Tal und lassen uns mal wieder spüren welch mickrige Gestalten wir Menschen doch sind, wenn wir uns in grandioser Natur bewegen. Rutor_Wasserfaelle_AostaUnd die kommt an den Wasserfällen nicht nur in flüssiger Form daher, sondern auch als Fels und Eis. Und zwar beim Blick in die Runde der 4000er Kette links und rechts des Mont Blancs. Endlich zeigt sich mit der Grand Jorasses  ein weiterer Bergriese (4208m) an dem Alpingeschichte geschrieben wurde! Mont_Blanc_Grand_Jorasses_PDiese beeindruckende Szenerie begleitet uns beim Abstieg durch den lichten Nadelwald bis ins Tal. Der zieht sich allerdings durch das viele Schauen und Staunen doch etwas in die Länge… und warum kommt uns dabei nur immer wieder Yosemite in den Sinn?

Kulinarische Genüsse mit 4000er Blick!
Unten angekommen, wollen wir natürlich auch die kulinarische Vielfalt des Aostatals und seiner Seitentäler nicht verpassen. Als echter “Genußtempel” erweist sich das Ristorante Pepita in Entrèves.   Was Patron und Chefkoch Mauro in dem von außen unscheinbaren Restaurant auf den Tisch bringt ist einfach nur sensationell. Lardo_AostatalSchon die Antipasti mit duftendem Prosciutto aller Arten sind ein echtes Geschmackserlebnis. Vom herrlichen Lardo, einem in Steintrögen mit Kräutern marinierten Speck, ganz zu schweigen. Auch wenn die schneeweißes Scheiben nicht jedermanns Sache sind, so ist es doch für den Liebhaber eine Geschmacksexplosion das weiße Gold auf der Zunge schmelzen zu lassen.Aostatal_Antipasti Glücklicherweise sind wir in Italien, wo die Primi Piatti  nicht lange auf sich warten lassen. Wer möchte da schon “Nein” sagen, wenn Mauro mit auf einer Pesto angerichteten und mit köstlichem Auberginenmousse gefüllten Tomaten lockt. Richtig, niemand!
Aostatal_Risotto_Steinpilze So kommt zum Berggenuss schließlich auch noch der Hochgenuss eines mit Spumante und Steinpilzcreme aromatisierten Risottos, für das kein Weg zu weit ist. Und wir dachten, wir haben an diesem gastliche Ort schon alles erlebt. Von wegen! Die hausgemachten Tagliolini mit Trüffel katapultieren uns endgültig in kulinarische Höhen, die , gemessen an Bergen, sicher die 4000er Marke deutlich übersteigen.Trueffel_Tagliolini_Aosta Wir entscheiden uns trotz dieses kulinarischen Feuerwerks gegen den Hauptgang und gehen gleich zum Dessert über… und das hat es auch in sich.

In La Thuile erwartet uns Stefano Collomb, einer der besten Chocolatiers Italiens. Stefano hat es mit dem Familienbetrieb, den er in zweiter Generation führt, in den Olymp der Kulinarik geschafft. Immerhin wurde seine kleine Schokoladenmanufaktur kürzlich zu einem der 100 besten Genussorte Italiens gekürt! Stefano_Collomb_AostaWenn man ihn dann in seiner bescheidenen Art live erlebt, wenn er von seinen Lehrjahren in Belgien und Frankreich erzählt und seine Kreationen mit Rosenblättern, Lavendel, oder Wacholder erläutert und die Quellen seiner Genüsse, wie zum Beispiel die besten Haselnüsse aus dem Piemont, oder die aromatischsten Pistazien aus Sizilien preisgibt, erkennt man sofort, dass hier nicht der Kommerz im Vordergrund steht, sondern pure Leidenschaft. Nicht nur in Bezug auf die Verkostung dessen was Stefano für uns vorbereitet hatte, sondern auch menschlich ein besonderer Moment! Als Stefano dann seine Haselnusscreme hervorholt, wird endgültig klar, dass das absolut nichts, aber auch gar nichts mit dem global vermarkteten Industrieprodukt der Erfinder der “Piemontkirsche” zu tun hat!
Wen wundert es da, dass wir im Himmel der Genüsse auf den Papst treffen!? In Form einer reich verzierten Dankesurkunde hängt sein Konterfei an der Wand in Stefanos bescheidenem Laden. Ob ihn wohl eine himmlische Eingebung hierher geführt hat?

Mont Blanc by unfair means!
Achja, da war ja noch etwas. Wir wollten ja die höchsten Berge der Alpen bezwingen. Wenn schon nicht zu Fuß, dann zumindest mit Hilfe eines beindruckenden Stücks Technik, das wir sonst eher zu vermeiden suchen. 

Courmayeur_Mont_Blanc

Courmayeur im Talschluss des Aostatals, kurz vor dem Schlund des Mont Blanc Tunnels gelegen, ist der perfekte Ort um die 4000er mit der Seilbahn zu erkunden. Das charmante Alpenstädtchen liegt eindrucksvoll, umgeben von den mit ewigem Eis überzogenen Gipfeln, in der Abendsonne als wir durch die Fußgängerzone schlendern. Immer wieder müssen wir den Kopf in den Nacken legen um das sensationelle Panorama zu bestaunen, auch wenn uns das Kaiserwetter an dieser Stelle leider verwehrt bleibt.Courmayeur_BergfuehrerAm eindrucksvollen Hauptquartier der “Societa delle Guide”, der Bergführervereinigung, das auch ein sehenswertes Alpinmuseum beherbergt, halten wir kurz an den Gedenktafeln für die verunglückten Guides inne. Da wird einem sehr schnell schmerzlich bewusst, dass Bergfuehrer_Courmayeursich an der Wiege des Alpinismus, rund um den Mont Blanc, eben nicht nur alpine Erfolge sondern auch Dramen abspielten und abspielen. Die Vereinigung der Bergführer von Courmayeur, nach Chamonix die zweitälteste der Welt, hat hier, wie die Gedenktafeln belegen, auch so manches Opfer beigesteuert.

Ist denn schon wieder Himmelfahrt?
Man könnte es fast glauben! Etwas “angegruselt” von den Opfern der Berge machen wir uns auf den Weg zur “Skyway Monte Bianco”, einer beeindruckenden Seilbahn mit rotierenden Glaskugelgondeln.

Sky_Way_Mont_Blanc

Vier Sommer und 120 Millionen Euro später und schon ist die alte Aufstiegshilfe durch die neue mit High Tech Antrieb, beheizten Gondelfenstern, live Kamera am Unterboden der Kabinen und der mit 110 Metern höchsten Seilbahnstütze weltweit,  ersetzt! 2200 Höhenmeter in Rekordzeit… der Kreislauf bedankt sich! Punta_HelbronnerUnd dann das: Die architektonisch im besten Wortsinne durchgestylte Bergstation an der Punta Helbronner, auf 3466m, mit ihrer 360 Grad Aussichtsplattform, liegt in den Wolken! Offensichtlich hat der päpstliche Segen dann doch nicht ganz gereicht…
Trotzdem genießen wir den Aufenthalt in dieser einzigartigen Umgebung und den kurzen dramatischen Blick auf die bizarren Bergspitzen und Gletscher, die uns der Wettergott dann doch noch gewährte. Helbronner_Mont_BlancAber was wäre solch ein Ort ohne eine Genußkomponente?! Das hat auch die Cave Mont Blanc erkannt. Das Weingut produziert hier jährlich 1200 Flaschen Spumante. Nach der Champagner Methode ausgebautCave_Mont_Blanc und in der Mittelstation der Skyway auf knapp 2200 Metern 24 Monate gereift, ist das ein ganz besonderer Genuss, der in der dünnen Höhenluft neben geschmacklichen Höhenflügen auch sonst seine Wirkung nicht verfehlt! Wie mag das erst gewesen sein, als zu Beginn der Kooperation der Weinkellerei mit den Bergführern von Courmayeur 2009 die erste Flasche des “Cuvee des Guides” auf dem Gipfel des Mont Blanc mit dem Eispickel geköpft wurde? Sky_Way_Monte_BiancoWir müssen es wohl nicht erwähnen… als wir leicht beschwingt (von der dünnen Luft!) wieder gen Courmayeur hinab schweben, planen wir bereits unsere Rückkehr… und dann mit diesem Ausblick, den die Panoramawebcam an “guten” Tagen verspricht:

Geschrieben von Michael | Abgelegt unter Italien, Täler | Keine Kommentare

Eine Dusche mit 1000$ Blick auf die Seealpen, ein Schotterpass zwischen Frankreich und Italien und ein schottisches Schloss im Piemont. Wie viele Kontraste erträgt ein Wanderer eigentlich?

Mercantour-RabuonsDer Endpunkt unserer Tour im Mercantour Nationalpark sollte es in sich haben. Und doch war es nur der Auftakt für einen noch eindrucksvolleren Übergang, hinüber ins Valle Stura, ins Piemont. Doch davor hatten uns die (Wander-) Götter noch eindrucksvollere Erlebnisse rund um das Refuge de Rabuons auferlegt. Landschaftlich imposant gelegen, direkt am gleichnamigen tiefblauen und eiskalten Bergsee, hat diese kleine Hütte mit Ihren gerade mal 36 Plätzen eine besondere Attraktion für Hartgesottene zu bieten.

Die schönste Dusche der Südalpen und Ente a l’ Orange auf 2500m!
Nach geleisteter Tages(wander-)arbeit frRabuons-Duscheeuen sich alle über einen der grandiosesten “Körperpflegeplätze” der Südalpen. Liegt dieser doch auf 2523m über dem Meer, direkt neben einem Felsblock unterhalb des Refuge Rabuons. Also gefühlt in der Arktis, …und das auch im Sommer! Dennoch ist es eine der schönsten Duschen der Alpen. Trotz der minimalen Menge solartemperierten Wassers ist es ein unvergleichliches Erlebnis sich genüsslich den Schweiss des Tages aMercantour-Seealpenb zu waschen, während einen das 1000$ Panorama der Seealpen vergessen lässt, dass sich die Wassertemperatur binnen 2 Minuten der des Bergsees nebenan rapide angleicht. Das weckt dann aber doch sehr schnell den Wunsch nach der Höhe angepasster Bekleidung! Dermaßen erfrischt sind wir offen für die grandiosen  Naturschauspiele und kulinarischen Erlebnisse, die der Tag noch bringen sollte. Die felsige Hüttenterrasse ist eine Aussichtsloge mit gefühltem Blick bis zum Mittelmeer, auf der sich die zugehörigen Sonnenauf- und -untergänge wie in einem natürlichenRabuons-Panorama Amphitheater, zum greifen nahe vor uns, abspielen (Klick auf die Photos!). So bedarf es dann schließlich der Kombination aus abendlicher Kälte und der Aussicht auf ein kulinarisch ansprechendes Abendessen um uns in Rabuons-sunsetdas Innere der heimeligen “Einraumhütte” zu ziehen. Und wieder sollten wir nicht enttäuscht werden!
Mit Ente a la Orange und einer Aprikosen-Biskuit Torte hatten wir auf über 2500m nicht gerechnet. Wir finden uns also in einem perfekte Ambiente wieder um über unseren morgigen Übergang nach Italien zu philosophieren und zu hoffen, dass der von der Hütte uneinsehbare Pas d’ Ischiator unsere Möglichkeiten nicht übersteigt.

Rabuons-1906 Refuge-Rambuons


Über den Schotterpass, hinüber zu einem schottischen Schloss mitten im Piemont!

Stahlblau und eiskalt liegt der Lac de Rabuons im gleissenden Morgenlicht als wir unsere Umrundung in Richtung dRabuons-Wegweiserer Schotterfelder am gegenüberliegenden Ende des Sees starten. Die Morgensonne bringt unsere Muskeln schnell auf Betriebstemperatur, als ob sie wüsste was uns nach der flachen Passage am Seeufer erwartet. Schnell steigen wir ein in eine Schotterwüste, die sich immer steiler aufschwingt und erst am Pas d’ Ischiator, auf immerhin 2843m, ihren Höhepunkt findet. Und der will erst mal erarbeitet sein, gutes Schuhwerk vorausgesetzt! Die Rückblicke über den See, die Hütte und die Kulisse der Seealpen sind grandios. Blickt man aber nach vorne, oder besser gesagt nach oben, so kommen doch eher ungemütliche Gefühle auf. Fieser, loser Schotter, durchsetzt von sandigen Stellen, pflastert den steilen Weg hinauf zum Pass. Zwei Schritte vor, einer zurück… Und immer mal wieder ein loser Stein den die “Vorgänger” über den Steilhang zum Gruss ins Tal schicken. Da bleibt nur die Hoffnung, dass es auf der anderen Seite gemütlicher zu gePas-d-Ischiatorht. Oben angekommen triumphiert nur noch das gute Gefühl es geschafft zu haben…, und die traumhafte Aussicht. Was für ein Panorama! Wie ein blaues Auge liegt der Lac Rabuons 400m tiefer direkt unter uns. Dahinter die Kette der Seealpen, hinter der wir das Mittelmeer förmlich fühlen können. Und vor uns, auf der Ostseite des Passes, noch mehr Schotter, …ohje!

Kann man nach Italien wandern und sich trotzdem wie in Schottland fühlen?
Migliorero-AbstiegWenn man es nicht erlebt hat glaubt man es nicht…. es geht! Der Abstieg in Richtung Rifugio Migliorero ist zwar steinig und erfordert an einigen Stellen durchaus Konzentration. Und dennoch, der Endpunkt lässt alle Zweifel im Abstieg schwinden. Grandios ist er, der Blick Richtung Osten. Das gesamte Vallone d’ Ischiator liegt uns zu Füßen. Am Horizont erahnen wir das Valle Stura. Die “Attraktion des Tages” liegt jedoch viel näher, im Talschluss 700 Höhenmeter unter unseren Sohlen. Dort trohnt sie also auf einem Hügel über einer Rif-Miglioreroschottisch anmutenden Seen- und Moorlandaschaft, das Rifugio Migliorero der Sektion Fossano des italienischen Alpenvereins. Wie ein Schloss mutet er an, der Bau mit den trutzigen Mauern, der früher als Hotel für Sommerfrischler und Tagesausflügler genutzt wurde. Wie schön ist es da doch, dass heute Valentina Rifugio-Migliorerodas Regiment über Küche und Gäste übernommen hat und diesen Ort zu einem “besonderen” im Südalpenraum macht. Doch bis dahin sollten die Sohlen nochmals im Abstieg zum Glühen kommen. Zum Greifen nah und doch zig Kehren des schottrigen Serpentinenweges entfernt, so haben wir den Abstieg zum Rifugio erlebt. Endlich angekommen, sorgt Valentina allerdings zunächst dafür, dass nach drei Sätzen der Begrüßung und einem herzlichen Lächeln klar ist: “Hier sind wir richtig!” Kein Zweifel, bei einer Hüttenwirtin, die eine solche Gastfreundschaft ausstrahlt und mit Ihrer Herzlichkeit sofort alle (zumindest die männlichen) Gäste in Ihren Bann zieht. Aber frustrieren sollte sie uns auf ihre Weise in Bälde dennoch…
Valle-Stura-MiglioreoDie Abendsonne schein meist mehr aus westlicher Richtung (!). Daher ziehen wir uns nach einer Dusche auf die Rückseite des Rifugio zurück und genießen die abendliche Illumination, bevor die Sonne hinter dem heute überwundenen Schotterpass verschwindet. “Hinten” ist eigentlich die Schokoladenseite des Rifugio Migliorero, bietet sie doch EinblickRifugio-Migliorero-Ischiato in den gesamten Abstieg des heutigen Nachmittags. Das Erlebnis wird zwar etwas dadurch getrübt, dass ein ungenannter aber weniger erfahrener Italienwanderer zweimal (!) Vino Rosso mit der Bezeichnung ”vivace” bestellt. Aber alles in allem genießen wir dennoch die Einblicke in den teils schauderhaften Geröllabstieg vom Pas d’ Ischiator. Der Genuss steigt zwar, aber unser Stolz über das heute erreichte schwindet rapide, als Valentina im Joggeroutfit um die Ecke kommt und uns live vorführt, wie man eine Nachmittagstour auch innerhalb einer Stunde bewältigt und zwar im Auf- UND Abstieg! Darauf ein Schluck Vino rosso, trotz “vivace”. So geerdet, machen wir uns auf zum mehrgängigen Abendessen bei dem Valentina alles wieder gut macht. Auch wenn es am nächsten Tag zumindest kulinarisch noch besser kommen sollte!

Geschrieben von Michael | Abgelegt unter Italien, Piemont | 1 Kommentar

Kann eine Bergwanderung auf einem Schiff enden? Über den Lago Maggiore, vom Berg nach Hause - ein mediterranes Sensationskonzept im Tessin!

Lago-Maggiore-CanobbioEine Wanderung mit integrierter Kreuzfahrt? Kein Problem, am Lago Maggiore! Irgendwie hatte es uns seit langem gereizt einmal mit dem Schiff vom Berg nach Hause zu fahren. Die Panoramawanderung von Canobbio nach Cannero Riviera macht diese Premiere möglich. Dass wir dabei noch Carmine Superiore, das auch heute noch nur zu Fuß erreichbar ist, erkunden dürfen, setzt dem Konzept die Krone auf. Genau wie der Sundowner am Schiffsanleger von Cannero Riviera, einem Kraftort an dem Italiensüchtige schon mal Wurzeln schlagen. Aber eins nach dem anderen….

Cannobio-Lago-MaggioreZunächst verlassen wir unser Schweizer Domizil in Richtung Süden und machen uns auf nach Canobbio, jenem einst maroden Charme ausstrahlenden Dörfchen am Westufer des Lago Maggiore, das heute durch eine millionenschwer herausgeputzte Uferpromenade im positiven Sinn zu beeindrucken weiss. Auf eben dieser wollen wir zunächst, wie immer wenn wir in der Gegend sind, eine ordentliche Dosis “Dolce farniente” inhalieren. Doch dieses Mal ist alles anders! Mit Wanderschuhen an den Füßen und einem Rucksack auf dem Rücken sind wir hier (gefühlt) etwa so deplatziert wie ein Gondoliere im Everest Basislager. Aber wir überleben den mentalen Spiessrutenlauf über die wunderschöne Seepromende ohne Anfeindungen und suchen dann doch schnell das Weite in Richtung Hinterland, wo uns an der Straße ins Val Canobbina der Einstieg in eine wunderschöne Hangwanderung nach Cannero Riviera erwartet.

Es ist schon erstaunlich wie schnell uns der Weg von der touristisch durchgestylten Piazza von Canobbio in eine mediterrane Kulturlandschaft, nur wenige hundert Meter über demLago-Maggiore Lago Maggiore, empor katapultiert. Eben alles eine Frage der Perspektive! Hat man sich erst 20 Minuten Aufstieg auf dem alten Saumpfad oberhalb von Canobbio gegönnt, blickt man unversehens “herab” auf all die Touristen die, wie wir noch vor einer halben Stunde überzeugt waren sich an einem der schönsten Plätze rund um den Lago Maggiore zu befinden. Nun wissen wir, der liegt 200 Meter höher! Grandios, der Blick bis an das Nordende des Sees, noch über Ascona, dem tiefst gelegenen Ort der Schweiz hinweg, bis zum Pizzo di Vogorno, der schon jetzt neue Ideen für Touren hoch über dem Verzascatal reifen lässt. Aber stopp!

Carmine Superiore, ein Besuch im 14. Jahrhundert, hoch über dem Lago Maggiore.
Jetzt absorbieren wir erst im Hier und Jetzt die sensationellen Eindrücke der heutigen Genusstour. Dass wir uns in einer alten Kulturlandschaft bewegen ist unverkennbar. Überall Stützmauern früherer Ackerterrassen und eine Mulattiera die sich bis ca. 300 Höhenmeter über den See hinaufzieht und die über weite Strecken auch mit einem Geländewagen befahrbar Carmine-Wanderwegwäre. Immer wieder führt uns der Weg an sensationell gelegenen Rustici vorbei, die wenn auch über Asphalt erreichbar, der Vorstellung vom mediterranen Traumwohnsitz sehr nahe kommen. Immer wieder warten an der nächsten Ecke neue Überraschungen, wie etwa in Mulinesc, kurz vor dem höchsten Punkt der Tour gelegen. Da steht doch tatsächlich eine alte Mühle mitten am Berghang! Liebevoll restauriert und offensichtlich in der Hand eines kunstbeflissenen Eigners. Carmine-Superiore-Lago-MaggDarauf deutet zumindest der ehemalige Mühlstein hin, der in ein Kunstwerk im Garten integriert ist und der das mediterrane Traumpanorama durch einen künstlerischen Akzent perfektioniert. Wer nicht mit einer solchen Immobilie gesegnet ist kann sich  zumindest eine mieten.

Doch der Höhepunkt sollte noch folgen: Carmine Superiore. Nur zu Fuß erreichbar. Ein verschlafenes Bergnest, das einem sofort eine lebendige Vorstellung vermittelt wie beschwerlich das Bauernleben hier, dreihundert Meter über dem See und in Mitten der Ackerterrassen früher gewesen sein muss. Zentraler Punkt ist die auf einen Felssporn gebaute Kirche aus dem 14. Jahrhundert,  mit Ihren schönen Fresken. Etwas düster kommt Sie im Kontrast zum gleissenden Licht über dem Lago daher.Carmine-PanoramaZumal wenn man sich vor Augen hält dass sie im 15. Jahrhundert eine Zufluchtsstätte für Pestkranke war. Umso mehr entschädigt der 180 Grad Panoramablick über den Lago Maggiore, der sich vom kleinen Vorplatz der Kirche bietet. Und das obwohl an diesem Ort früher der Friedhof war.

Die Inseln der Metzgersöhne.
In leichtem Auf und Ab schlängeln wir uns weiter gen Süden. Die kunstvoll aufgeschichteten Trockensteinmauern strahlen die Mittagshitze Catelli-di-Canneroauf den Wanderer ab und bringen die Muskeln auf optimale Betriebstemperatur. Man könnte so weiter Wandern, ….. bis nach Rom. Doch der Traumblick auf die bald im See unter uns liegenden Castelli di Cannero bremst unseren Schritt. Die Geschichte dieser beiden Inselchen mit Ihrer Burgruine reicht bis ins 13. Jahrhundert zurück und beginnt mit fünf Metzgerssöhnen, die damaCannero-Rivierals die Bevölkerung am nördlichen Teil des Lago Maggiore terrorisierten. Von Terror keine Spur auf unserem Weiterweg. Ganz im Gegenteil! Langsam senkt sich der Weg in Richtung Cannero Riviera, das zwischen Palmen unter uns auftaucht. Im gleissenden Sonnenlicht des Nachmittags breitet sich der südliche Lago unter uns aus und wir können es kaum erwarten zur romantischen Uferpromenade dieses Kleinods hinabzusteigen. Über palmengesäumte Treppen schweben wir förmlich hinunter zum See.

Cannero-Riviera-AnlegerSolle es nun das bodenständige Ristorante “Europa” sein, oder das eher mondän herausgeputzte Hotel Cannero? Beide direkt am Schiffsanleger der “Navigazione del Lago Maggiore” gelegen, fällt uns die Wahl in Anbetracht unseres Outfits leicht. Bodenständig also….. und dennoch an einem Traumplatz mit Traumblick! Bei einer Lasagne von der “Brotzeitkarte” (es ist später Nachmittag) genießen wir die Wartezeit bis zum zweiten Teil des heutigen Genusskonzepts, der Kreuzfahrt!

Mit der “Helvetia” per Schiff nach Hause, eine Kreuzfahrt der Extraklasse!
Die “Helvetia”, offensichtlich ein schweizer Schiff, macht den Italienern alle Ehre und gereicht den Schweizern zur Schande. Dreißig Minuten Verspätung! Es hätten auch sechzig sein können….. An einem Ort an dem die Landschaft offensichtlich den für solche Situationen typischen germanischen Adrenalinausstoß unterdrückt! Und was dann kam, sollte für alle Verzögerungen entschädigen. Eine Kreuzfahrt über den Lago Maggiore… in der Abendsonne, inklusive etlicher Besuche malerischer Häfen beidseits des Sees. 360 Grad Traumpanorama! (Klick auf die Fotos!)Lago-Maggiore-Brissago-PanoSo gleiten wir dahin von Dorf zu Dorf in Richtung Brissago Inseln, mit ihren endemischen Pflanzen hinter denen sich unser Ziel, Ascona, in der Abendsonne räkelt. Und darüber ragt schon spitz der Wegweiser unserer nächsten Tour empor, der Pizzo di Vogorno.  Er beflügelt die alpine Phantasie. Auch wenn bei seiner Besteigung eine Rückkehr mit dem Schiff eher schwierig werden dürfte!

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Geschrieben von Michael | Abgelegt unter Italien, Lago Maggiore, Piemont, Schweiz, Tessin | Keine Kommentare

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