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Wo Päpste wandern gehen und nicht nur die Berge zu Höchstform auflaufen!

Aostatal_Rutor_Panorama
Kein Wunder, dass der eine oder andere Pontifex die kleinste Provinz Italiens, das Aostatal, über das wir an dieser Stelle ja bereits mit Begeisterung berichtet haben, regelmäßig für einen Wanderurlaub aufsuchte. Vermutlich ist es diese “göttliche” Kombination aus alpinen und kulinarischen Superlativen die einem als Gast immer mal wieder das Gefühl geben, dem Himmel ganz nah zu sein.

Mont_Blanc_Monte_-BiancoWas liegt da näher als eine weitere Erkundung der Region rund um den höchsten Berg der Alpen, der hier eigentlich richtiger Weise Monte Bianco heißt, zu starten. Was mit seinen 4807 Metern wie Musik in den Ohren eines jeden ernsthaften Alpinisten klingt, entfaltet in den Ohren des Wanderers zumindest den Wunsch nach alpinen Traumpanoramen und nach der Erforschung weniger bekannter und daher einsamerer Wege als der zugegebenermaßen eindrucksvollen Tour de Mont Blanc.Aostatal_Mont_BlancDass das Aostatal darüber hinaus, wie sollte es auch anders sein im Dreiländereck Frankreich, Italien, Schweiz, kulinarisch ein gelobter Landstrich ist, blieb natürlich bei unserer Tourenplanung nicht unberücksichtigt. Und dem Papst sind wir dann tatsächlich auch begegnet!

Auf dem Promenadenweg zum Rutor Gletscher
Wir steuern zunächst die “Balconata de La Thuile” an. Ein Höhenweg so ganz nach unserem Geschmack. Hoch über dem Rutor Wildbach geht es über dem gleichnamigen, an der Passstraße zum kleinen St. Bernhard gelegenen Dorf dahin, hinein in ein südwestlich gelegenes, wenig frequentiertes Seitental des Aostatals. Der Name dieses Traumpfades ist Programm. Wie auf einem Balkon geht es Aostatal_Lac-de-Glaciermit 4000er Panorama dahin. Beim Blick zurück bleiben wir immer wieder, vom Ausblick auf den Monte Bianco fasziniert,  stehen und studieren die gewaltigen Gletscher die sich von diesem alpinen Gigant ins Tal wälzen. Abwechslungsreich geht es über schmale Pfade und Blockfelder dahin. Wir bewegen uns in geschichtsträchtigem Gelände. Davon zeugen die Reste der militärischen Befestigungen die uns beim Blick auf die umliegenden Grate immer wieder daran erinnern, das diese Grenzregion auch schon schlimme Zeiten erlebt hat.Aostatal_Rutor_GletscherAn der kurzen Schlüsselstelle, hoch über dem tief grün und blau funkelnden Seeauge des Lac de Glacier, erfordern die Ketten, die unseren “Abflug” hinunter auf den in allen Grüntönen schimmernden Wiesenboden des Pian de la Liere verhindern sollen, unsere volle Aufmerksamkeit. Heiße Luft unter den Sohlen und ein Traumpanorama vor Augen! Was dann folgte, sollte unseren Adrenalinspiegel allerdings noch weiter in die Höhe treiben. Hinter einer Felskante taucht er plötzlich auf, in strahlendem Weiß, der unterhalb der 3486m hohen Testa del Rutor gelegene Rutor Gletscher. Mit seinen 9,5 Quadratkilometern speist er die dreistufigen Rutor  Wasserfälle und eine Vielzahl wunderschöner kleiner Seen an seinem Fuß. Aostatal_Rifugio_DeffeyesDass er in der Vergangenheit schon ganz andere Ausmaße hatte, wird beim Blick in die Geschichtsbücher klar. Im 15. und 16. Jahrhundert kam es mehrfach zu Aufstauungen durch einen Damm auch Eis und Geröll dessen Durchbruch immer wieder schwere Verwüstungen im Tal anrichtete.  Von diesen Naturdramen und der Furcht der Menschen davor zeugt noch heute die Capella di Margherita die in der RiFugio_DeffeyesNähe des Rifugio Alberto Deffeyes, unserem heutigen Tagesziel, auf knapp 2500m errichtet wurde um die Naturgewalten zu besänftigen. Ob die Kapelle die gewünschte Wirkung entfaltet hat, wissen wir nicht. Dass der Klimawandel den Gletscher “entschärft” hat ist allerdings, wie vielerorts in den Alpen, deutlich sichtbar.

Gletschertraum mit Mont Blanc Blick!
Der Morgen vor dem Refugio Deffeyes ist frostig. Rauhreif überzieht die Tische aus grobem Holz, die vor der Hütte dazu einladen das 180 Grad PanoramaTesta-de-Rutor_Gletscher des Rutor Gletschers im warmen Licht der Morgensonne zu bewundern.  Dieser Ausblick zieht uns unweigerlich bergwärts, in eine herrliche Seenlandschaft die die Zungen des Rutorgletschers über Jahrtausende hinweg geformt haben. Immer wieder entdecken wir neue Landschaftsbilder, die sich in der spiegelglatten Oberfläche der Seen vervielfachen. Aosta_RutorWas für ein Auftakt unseres Abstiegstages dessen weiterer Verlauf nicht minder eindrucksvoll werden sollte! War doch die Rückkehr ins Tal entlang der dreistufigen Rutor Wasserfälle geplant. Unser Weg führt hinab auf den Pian de la Liere, eine Almfläche die man nur als Idyll bezeichnen kann. Fast kitschig, dieses Bild von hunderten Schafen, die am Ufer des tief grünen Seeauges ihr Frühstück einnehmen.Aostatal_La-Thuile Gefühlt nähern wir uns diesem Kraftort aus der Vertikalen. Es stellt sich im Abstieg fast das Gefühl ein man sei mit dem Helikopter auf dem Weg ins Tal. Die Kniegelenke erinnern uns dann aber sehr schnell daran, das das nur eine Sinnestäuschung sein konnte!

Gletscherabsturz über drei Kaskaden!
Man kann es kaum anders bezeichnen, was das Schmelzwasser des Rutor Gletschers da anstellt. Rutor_Wasserfaelle_Panorama Mit Urgewalten schießen die Wassermassen über mehrere Felsstufen zu Tal und lassen uns mal wieder spüren welch mickrige Gestalten wir Menschen doch sind, wenn wir uns in grandioser Natur bewegen. Rutor_Wasserfaelle_AostaUnd die kommt an den Wasserfällen nicht nur in flüssiger Form daher, sondern auch als Fels und Eis. Und zwar beim Blick in die Runde der 4000er Kette links und rechts des Mont Blancs. Endlich zeigt sich mit der Grand Jorasses  ein weiterer Bergriese (4208m) an dem Alpingeschichte geschrieben wurde! Mont_Blanc_Grand_Jorasses_PDiese beeindruckende Szenerie begleitet uns beim Abstieg durch den lichten Nadelwald bis ins Tal. Der zieht sich allerdings durch das viele Schauen und Staunen doch etwas in die Länge… und warum kommt uns dabei nur immer wieder Yosemite in den Sinn?

Kulinarische Genüsse mit 4000er Blick!
Unten angekommen, wollen wir natürlich auch die kulinarische Vielfalt des Aostatals und seiner Seitentäler nicht verpassen. Als echter “Genußtempel” erweist sich das Ristorante Pepita in Entrèves.   Was Patron und Chefkoch Mauro in dem von außen unscheinbaren Restaurant auf den Tisch bringt ist einfach nur sensationell. Lardo_AostatalSchon die Antipasti mit duftendem Prosciutto aller Arten sind ein echtes Geschmackserlebnis. Vom herrlichen Lardo, einem in Steintrögen mit Kräutern marinierten Speck, ganz zu schweigen. Auch wenn die schneeweißes Scheiben nicht jedermanns Sache sind, so ist es doch für den Liebhaber eine Geschmacksexplosion das weiße Gold auf der Zunge schmelzen zu lassen.Aostatal_Antipasti Glücklicherweise sind wir in Italien, wo die Primi Piatti  nicht lange auf sich warten lassen. Wer möchte da schon “Nein” sagen, wenn Mauro mit auf einer Pesto angerichteten und mit köstlichem Auberginenmousse gefüllten Tomaten lockt. Richtig, niemand!
Aostatal_Risotto_Steinpilze So kommt zum Berggenuss schließlich auch noch der Hochgenuss eines mit Spumante und Steinpilzcreme aromatisierten Risottos, für das kein Weg zu weit ist. Und wir dachten, wir haben an diesem gastliche Ort schon alles erlebt. Von wegen! Die hausgemachten Tagliolini mit Trüffel katapultieren uns endgültig in kulinarische Höhen, die , gemessen an Bergen, sicher die 4000er Marke deutlich übersteigen.Trueffel_Tagliolini_Aosta Wir entscheiden uns trotz dieses kulinarischen Feuerwerks gegen den Hauptgang und gehen gleich zum Dessert über… und das hat es auch in sich.

In La Thuile erwartet uns Stefano Collomb, einer der besten Chocolatiers Italiens. Stefano hat es mit dem Familienbetrieb, den er in zweiter Generation führt, in den Olymp der Kulinarik geschafft. Immerhin wurde seine kleine Schokoladenmanufaktur kürzlich zu einem der 100 besten Genussorte Italiens gekürt! Stefano_Collomb_AostaWenn man ihn dann in seiner bescheidenen Art live erlebt, wenn er von seinen Lehrjahren in Belgien und Frankreich erzählt und seine Kreationen mit Rosenblättern, Lavendel, oder Wacholder erläutert und die Quellen seiner Genüsse, wie zum Beispiel die besten Haselnüsse aus dem Piemont, oder die aromatischsten Pistazien aus Sizilien preisgibt, erkennt man sofort, dass hier nicht der Kommerz im Vordergrund steht, sondern pure Leidenschaft. Nicht nur in Bezug auf die Verkostung dessen was Stefano für uns vorbereitet hatte, sondern auch menschlich ein besonderer Moment! Als Stefano dann seine Haselnusscreme hervorholt, wird endgültig klar, dass das absolut nichts, aber auch gar nichts mit dem global vermarkteten Industrieprodukt der Erfinder der “Piemontkirsche” zu tun hat!
Wen wundert es da, dass wir im Himmel der Genüsse auf den Papst treffen!? In Form einer reich verzierten Dankesurkunde hängt sein Konterfei an der Wand in Stefanos bescheidenem Laden. Ob ihn wohl eine himmlische Eingebung hierher geführt hat?

Mont Blanc by unfair means!
Achja, da war ja noch etwas. Wir wollten ja die höchsten Berge der Alpen bezwingen. Wenn schon nicht zu Fuß, dann zumindest mit Hilfe eines beindruckenden Stücks Technik, das wir sonst eher zu vermeiden suchen. 

Courmayeur_Mont_Blanc

Courmayeur im Talschluss des Aostatals, kurz vor dem Schlund des Mont Blanc Tunnels gelegen, ist der perfekte Ort um die 4000er mit der Seilbahn zu erkunden. Das charmante Alpenstädtchen liegt eindrucksvoll, umgeben von den mit ewigem Eis überzogenen Gipfeln, in der Abendsonne als wir durch die Fußgängerzone schlendern. Immer wieder müssen wir den Kopf in den Nacken legen um das sensationelle Panorama zu bestaunen, auch wenn uns das Kaiserwetter an dieser Stelle leider verwehrt bleibt.Courmayeur_BergfuehrerAm eindrucksvollen Hauptquartier der “Societa delle Guide”, der Bergführervereinigung, das auch ein sehenswertes Alpinmuseum beherbergt, halten wir kurz an den Gedenktafeln für die verunglückten Guides inne. Da wird einem sehr schnell schmerzlich bewusst, dass Bergfuehrer_Courmayeursich an der Wiege des Alpinismus, rund um den Mont Blanc, eben nicht nur alpine Erfolge sondern auch Dramen abspielten und abspielen. Die Vereinigung der Bergführer von Courmayeur, nach Chamonix die zweitälteste der Welt, hat hier, wie die Gedenktafeln belegen, auch so manches Opfer beigesteuert.

Ist denn schon wieder Himmelfahrt?
Man könnte es fast glauben! Etwas “angegruselt” von den Opfern der Berge machen wir uns auf den Weg zur “Skyway Monte Bianco”, einer beeindruckenden Seilbahn mit rotierenden Glaskugelgondeln.

Sky_Way_Mont_Blanc

Vier Sommer und 120 Millionen Euro später und schon ist die alte Aufstiegshilfe durch die neue mit High Tech Antrieb, beheizten Gondelfenstern, live Kamera am Unterboden der Kabinen und der mit 110 Metern höchsten Seilbahnstütze weltweit,  ersetzt! 2200 Höhenmeter in Rekordzeit… der Kreislauf bedankt sich! Punta_HelbronnerUnd dann das: Die architektonisch im besten Wortsinne durchgestylte Bergstation an der Punta Helbronner, auf 3466m, mit ihrer 360 Grad Aussichtsplattform, liegt in den Wolken! Offensichtlich hat der päpstliche Segen dann doch nicht ganz gereicht…
Trotzdem genießen wir den Aufenthalt in dieser einzigartigen Umgebung und den kurzen dramatischen Blick auf die bizarren Bergspitzen und Gletscher, die uns der Wettergott dann doch noch gewährte. Helbronner_Mont_BlancAber was wäre solch ein Ort ohne eine Genußkomponente?! Das hat auch die Cave Mont Blanc erkannt. Das Weingut produziert hier jährlich 1200 Flaschen Spumante. Nach der Champagner Methode ausgebautCave_Mont_Blanc und in der Mittelstation der Skyway auf knapp 2200 Metern 24 Monate gereift, ist das ein ganz besonderer Genuss, der in der dünnen Höhenluft neben geschmacklichen Höhenflügen auch sonst seine Wirkung nicht verfehlt! Wie mag das erst gewesen sein, als zu Beginn der Kooperation der Weinkellerei mit den Bergführern von Courmayeur 2009 die erste Flasche des “Cuvee des Guides” auf dem Gipfel des Mont Blanc mit dem Eispickel geköpft wurde? Sky_Way_Monte_BiancoWir müssen es wohl nicht erwähnen… als wir leicht beschwingt (von der dünnen Luft!) wieder gen Courmayeur hinab schweben, planen wir bereits unsere Rückkehr… und dann mit diesem Ausblick, den die Panoramawebcam an “guten” Tagen verspricht:

Geschrieben von Michael | Abgelegt unter Italien, Täler | Keine Kommentare

Das “Tal der Wunder”. Auf der Suche nach 40000 Felsgravuren und deren mystischer Deutung.

Viele Fragen sollten sich auf dieser Wanderung auftun …und nicht beantwortet werden! Zum Beispiel die nach der Entstehung der größten Ansammlung von Felsgravuren in den Alpen. Das liegt in der Natur der Dinge wenn man sich in das mystische Vallèe des Merveilles, das “Tal der Wunder”, begibt um eine Zeitreise anzutreten, die den Betrachter fast 5000 Jahre in die Vergangenheit führt.Tal-der-Wunder-Merveilles Eine Zeit also, aus der keine schriftlichen Überlieferungen vorliegen, sondern wie hier in den französischen Seealpen, geheimnisvolle Felsenbilder die sich oft einer exakten wissenschaftlichen Deutung entziehen. Schon das Valcamonica, der Fundort auf Platz eins der Felsgravurenhitliste, hatte uns fasziniert. Was liegt da näher als in den Mercantour Nationalpark zu reisen und dort die geheimnisvollen Gravuren rund um den Mont Bègo zu erforschen.

Aufstieg zum Sitz der Gewittergötter.
Seit Menschengedenken, um genau zu sein wohl seit über 5000 Jahren, hatte es die Wetterküche rund um den 2872 Meter hohen Mont Bègo  den Menschen angetan. Ein besonderer Ort, an dem sich die schwülwarmen Luftmassen die von der nur 25 Kilometer Luftlinie entfernten Cote d’ Azur heraufwehen mit den kühlen Winden aus den piemontesischen Alpen treffen um über dem “Tal der Wunder” ein für bronzezeitliche Bauern sicher bedrohliches Wetterspektakel zu entfachen.
Seealpen-Merveilles-Tal
Angeblich soll die hohe Erzkonzentration des Gesteins in dieser Gegend ihr übriges dazu beitragen, dass die Wettererlebnisse in Form heftiger Gewitter durchaus imposanter ausfallen können als üblich. Auch wir sollten die mystischen Wolkenformationen live erleben. Beim langen Aufstieg vom Lac des Mesches, der vom schönen Royatal aus leicht mit dem Auto erreichbar ist, bauen sich die Wolkenformationen am Nachmittag über den Gipfeln zu immer beeindruckenderen Türmen auf. Die tiefstehende Sonne, die die Kumuluswolken über dem Mont Bègo bei unserer Ankunft am Refuge des Merveilles dramatisch in Szene setzt, Seealpen-Merveilles-Refugesorgt für eine gefühlte Zeitreise. Sie führt uns im Kopf fast fünftausend Jahre bis zu den bronzezeitlichen Steinmetzen zurück, die hier großartiges erschaffen haben. Dass die eindrucksvolle Szenerie, gepaart mit eindringlichen Naturphänomenen, die frühzeitlichen Menschen inspiriert hat an diesem Ort rituelle Handlungen vorzunehmen und bleibende Spuren in Form abertausender Felsgravuren zu hinterlassen, erschließt sich wohl den meisten, die die Mühe des langen Anmarschs auf sich nehmen. Auch die Schwächen des Nachtquartiers, des Refuge des Merveilles, das den “Charme” einer Militärbaracke versprüht, können da die Vorfreude auf unsere für den nächsten Tag geplante “Expedition” zu den magischen Felsbildern nicht trüben.

Zu Stiergöttern, bronzezeitlichen Jägern und astronomischen Karten im Gletscherschliff.
Seealpen-FelsgravurenEs ist noch immer ungemütlich windig und kühl als wir morgens um acht auf Philippe, unseren fachkundigen “Expeditionsleiter” treffen, der uns schon vor der Hütte auf uns wartet. Die Bedeutung von Fach- und vor allem Ortskenntnis sind hier nicht zu unterschätzen, Seealpen-Felsgravuren-Wundeein Guide also eine gute Investition. Auch wenn die Zahl der Felsbilder enorm ist, so sind die bedeutendsten doch alles andere als leicht zu finden. Über erste von eiszeitlichen Gletschern glatt geschliffene Felsen führt uns Philippe in einen weiten Kessel oberhalb der Hütte, der von mehreren Seen geprägt ist.

Seealpen-Merveilles-Guide-2 Seealpen-Merveilles-Guide Seealpen-Merveilles-Guide-1

Über der wilden Szenerie trohnt der Mont Bègo als wolle er auch heute wieder die Blitze in dieses Gebiet locken. Unsere Augen kleben am Boden und den weit verteilten glatten Felsflächen. Hinter einem gewaltigen Felsblock taucht schließlich das erste bronzezeitliche Bilderbuch auf einer riesigen Steinplatte auf. Wir lernen, Merveilles-Felsgravurendass sich insbesondere die dargestellten Dolche hervorragend zur zeitlichen Einordnung der jeweiligen Gravuren eignen, da sich ihre Formgebung über die Jahrtausende hinweg deutlich weiterentwickelt hat. Ganze Stierherden mit ihren langen Hörnern ziehen über die Gletscherschliffe. Überwiegend sind es Tier- und Jagdszenen, die die Ureinwohner vor tausenden von Jahren hier hinterlassen Seealpen-Merveilles-Seehaben, indem Sie mit Quarzwerkzeugen, Punkt für Punkt, kleine Krater in die Felsen schlugen, die sich zu diesen mystischen Bildern formieren.  Doch auch geometrische Muster sind zu finden, die nach aktueller wissenschaftlicher Meinung Felder darstellen. Es waren also vermutlich Bauern die sich hier, inspiriert von einem magischen Platz und dessen Narturschauspielen, verewigten.
Fasziniert lauschen wir den Erklärungen von Philippe. Immer wieder betont er wie wenig eigentlich, trotz aller Forschung, über die tatsächlichen Hintergründe und die wahre Bedeutung der Felsbilder bekannt ist. Und genau dieser Interpretationsspielraum verstärkt die Faszination noch weiter. Ebenso wie die astronomische Dimension die Philippe schließlich mit wilden Gesten in Richtung Gipfel ins Spiel bringt. Da wirft doch wohl der Mont Bègo an bestimmten Tagen im Jahr seinen Schatten mittags genau auf eine Darstellung die man einem Sonnengott zuschreibt. Das kann doch kein Zufall sein! Beeindruckt erkunden wir zig weitere “Comicfelsen” und steigen schließlich in bronzezeitliche Gedanken versunken in Richtung Royatal ab. Mit diesen Eindrücken gewappnet gibt es nur eine Destination: Das sehr sehenswerte “Museum der Wunder” im schönen Tende!

Geschrieben von Michael | Abgelegt unter Täler | 2 Kommentare

Traumkombination im Valle Verzasca: 100 Wasserfälle, einsame Schluchten und ein herrliches Hüttenensemble!

Lavertezzo-VerzööDie sehr eigenwillige Interpretation, eine QUER-Begehung des schwierigsten Wanderhöhenwegs der Schweiz, der “Via Alta della Verzasca”, hatte sich bereits auf den ersten Etappen bewährt. Dass sich das Bergerlebnis auf unserer heutigen Route nochmals dramatisch steigern sollte, konnten wir als wir an der berühmten Bogenbrücke von Lavertezzo auf das grüne Wildwasser der tosenden Verzasca schauten, nur hoffen. Und wir sollten nicht enttäuscht werden!

Wegweiser-CornavosaVerzöö??! Kennt im Gegensatz zur hundert Meter tiefer gelegenen Bogenbrücke “Ponte dei Salti”, einem der wohl meistfotografierten Motive im Tessin, keiner. Und dennoch ist es ein perfekter Ausgangspunkt für unseren knapp fünfstündigen Aufstieg zu einem Kleinod unter den Tessiner Selbstversorgerhütten, der Capanna Cornavosa. Direkt hinter dem romantischen Weiler erheben sich grün überwucherte Steilwände in den Himmel. Man könnte meinen man sei an den Tepuis in Venezuela, nur kleiner eben. Uns ist bei dem Anblick instinktiv sofort klar, dass der Weiterweg abseits ausgetretener Pfade verlaufen wird und damit großartige Naturerlebnisse nicht unwahrscheinlich sind.

Durch das Tal der 100 Wasserfälle  - Val Pincascia
Auf uralten Almpfaden dringen wir ein in diese grüne “Hölle”, die auf Grund der Steilheit des Geländes abseits der bequemen Pfades meist völlig unbegehbar erscheint. Cornavosa-Wasserfall

Geschickt angelegt windet sich der Weg über dem tosenden Wildbach immer weiter hinein ins Val Pincascia. Ständig wechseln die Perspektiven, Tiefblicke auf den reißenden Bach wechseln sich mit Hochblicken auf eindrucksvolle Gneiswände ab. Dazwischen begeistert uns uraltes Kulturland. Wunderschön renovierte Cornavosa-Wasserfall-1Almgebäude, die heute eher dem Wochenendvergnügen dienen, perfektionieren den Charme dieser Tour. Aber was wäre die ohne das Wasser? Je tiefer man vordringt in diese grüne Wildnis, desto mehr wird man berieselt. Und zwar von einer Unzahl größerer oder kleinerer Wasserfälle, von Wildbächen, die nach der nächsten Biegung des Weges unvermittelt aus den Steilwänden links oder rechts Verzascahervorbrechen, oder auch nur herrlich anzusehenden Wasserschleiern, die ganze Felswände “beregnen”. So sind die Augen oft mehr in Richtung Himmel, denn auf den Boden gerichtet. Doch das sollte sich im hinteren Teil des Tals schlagartig ändern. Immerhin müssen die gut 1400 Höhenmeter zur Capanna Cornavosa ja überwunden werden. Und nur mit Dahinschlendern kann das eben nicht funktionieren. Also hat Capanna-Cornavosa-Verzascadie Natur einen Steilaufstieg vor das Hüttenvergnügen gesetzt. Und der hat es in sich! Auf schmalen Pfaden, zunächst noch durch lichten Wald ächzen wir hinauf. So wie der Wald sich mit zunehmender Höhe zurückzieht, rücken Latschen und felsige Wege in den Vordergrund. Wo aber ist nur die Capanna Cornavosa, über deren liebevolle fünfjährige Renovierung wir schon so viel Gutes gehört hatten?

Die Capanna Cornavosa, ein Kleinod Tessiner Hüttenkultur!
Es sollte noch eine ganze Weile dauern bis wir sie zu Gesicht bekommen. Zunächst zeigt sich nur eine Schweizer Flagge. Das lässt gutes erahnen. Es ist scheinbar mal Capanna-Cornavosa-Verzasca-wieder einer der Fälle in denen man das Tagesziel erst sieht, wenn man quasi davor steht! Das Durchhalten und die Geduld sollten sich aber lohnen. Das ist sofort klar, als wir das Ensemble der Almhütten in der warmen Abendsonne auf einer Hangterrasse vor uns liegen sehen. Alpe-CornavosaTrutzig und in besten Zustand versetzt liegen sie vor uns, die acht Hütten die in fünfjähriger liebevoller Arbeit aus Ruinen wieder auferstanden sind. Mit einer Präzision sind die Wände und Dächer wiederhergestellt worden, dass man meinen könnte der Tessiner Stararchitekt Mario Botta habe höchstpersönlich seine Finger im Spiel gehabt. Bestens ausgestattet mit aller nötigen Wohlfühlinfrastruktur wie modernem Holzofen, separatem Duschhaus mit Gastherme, Matratzenlagern nicht Alpe-Cornavosa-Granitdachnur in der Haupthütte sondern auch in separatem Schlafhaus, ist das mal wieder einer dieser Kraftorte die genau für unserem Geschmack erschaffen wurden. Für die Verpflegung muss man allerdings im Schweiße seines Angesichts selbst sorgen. Aber kulinarisch autark zu sein war ja auch ein Teilaspekt unseres QUER Konzepts. Cornavosa-AlnascaUnd als die “echten” Via Alta Wanderer dann am Abend von ober her zur Hütte absteigen und wir uns beim Rotwein gemeinsam am imposanten Sonnenuntergang hinter der markanten Zuckerhutsilhouette des Poncione d’ Alnasca freuen und die Geschichten von stundenlangen absturzgefährdeten Passagen hören wissen wir, dass es für uns die richtige Entscheidung war die Via Alta QUER anzugehen! Und das Konzept haben wir dann auch auf der nächsten Etappe durchgehalten. Hierzu in Kürze mehr an dieser Stelle!

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Geschrieben von Michael | Abgelegt unter Hütten, Lago Maggiore, Schweiz, Tessin, Täler | Keine Kommentare

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