Archiv für das Tag 'Aostatal'

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Wo Päpste wandern gehen und nicht nur die Berge zu Höchstform auflaufen!

Aostatal_Rutor_Panorama
Kein Wunder, dass der eine oder andere Pontifex die kleinste Provinz Italiens, das Aostatal, über das wir an dieser Stelle ja bereits mit Begeisterung berichtet haben, regelmäßig für einen Wanderurlaub aufsuchte. Vermutlich ist es diese “göttliche” Kombination aus alpinen und kulinarischen Superlativen die einem als Gast immer mal wieder das Gefühl geben, dem Himmel ganz nah zu sein.

Mont_Blanc_Monte_-BiancoWas liegt da näher als eine weitere Erkundung der Region rund um den höchsten Berg der Alpen zu starten, der hier eigentlich richtiger Weise Monte Bianco heißt. Was mit seinen 4807 Metern wie Musik in den Ohren eines jeden ernsthaften Alpinisten klingt, entfaltet in den Ohren des Wanderers zumindest den Wunsch nach alpinen Traumpanoramen und nach der Erforschung weniger bekannter und daher einsamerer Wege als der zugegebenermaßen eindrucksvollen Tour de Mont Blanc.Aostatal_Mont_BlancDass das Aostatal darüber hinaus, wie sollte es auch anders sein im Dreiländereck Frankreich, Italien, Schweiz, kulinarisch ein gelobter Landstrich ist, blieb natürlich bei unserer Tourenplanung nicht unberücksichtigt. Und dem Papst sind wir dann tatsächlich auch begegnet!

Auf dem Promenadenweg zum Rutor Gletscher
Wir steuern zunächst die “Balconata de La Thuile” an. Ein Höhenweg so ganz nach unserem Geschmack. Hoch über dem Rutor Wildbach geht es über dem gleichnamigen, an der Passstraße zum kleinen St. Bernhard gelegenen Dorf dahin, hinein in ein südwestlich gelegenes, wenig frequentiertes Seitental des Aostatals. Der Name dieses Traumpfades ist Programm. Wie auf einem Balkon geht es Aostatal_Lac-de-Glaciermit 4000er Panorama dahin. Beim Blick zurück bleiben wir immer wieder, vom Ausblick auf den Monte Bianco fasziniert,  stehen und studieren die gewaltigen Gletscher die sich von diesem alpinen Gigant ins Tal wälzen. Abwechslungsreich geht es über schmale Pfade und Blockfelder dahin. Wir bewegen uns in geschichtsträchtigem Gelände. Davon zeugen die Reste der militärischen Befestigungen die uns beim Blick auf die umliegenden Grate immer wieder daran erinnern, das diese Grenzregion auch schon schlimme Zeiten erlebt hat.Aostatal_Rutor_GletscherAn der kurzen Schlüsselstelle, hoch über dem tief grün und blau funkelnden Seeauge des Lac de Glacier, erfordern die Ketten, die unseren “Abflug” hinunter auf den in allen Grüntönen schimmernden Wiesenboden des Pian de la Liere verhindern sollen, unsere volle Aufmerksamkeit. Heiße Luft unter den Sohlen und ein Traumpanorama vor Augen! Was dann folgte, sollte unseren Adrenalinspiegel allerdings noch weiter in die Höhe treiben. Hinter einer Felskante taucht er plötzlich auf, in strahlendem Weiß, der unterhalb der 3486m hohen Testa del Rutor gelegene Rutor Gletscher. Mit seinen 9,5 Quadratkilometern speist er die dreistufigen Rutor  Wasserfälle und eine Vielzahl wunderschöner kleiner Seen an seinem Fuß. Aostatal_Rifugio_DeffeyesDass er in der Vergangenheit schon ganz andere Ausmaße hatte, wird beim Blick in die Geschichtsbücher klar. Im 15. und 16. Jahrhundert kam es mehrfach zu Aufstauungen durch einen Damm auch Eis und Geröll dessen Durchbruch immer wieder schwere Verwüstungen im Tal anrichtete.  Von diesen Naturdramen und der Furcht der Menschen davor zeugt noch heute die Capella di Margherita die in der RiFugio_DeffeyesNähe des Rifugio Alberto Deffeyes, unserem heutigen Tagesziel, auf knapp 2500m errichtet wurde um die Naturgewalten zu besänftigen. Ob die Kapelle die gewünschte Wirkung entfaltet hat, wissen wir nicht. Dass der Klimawandel den Gletscher “entschärft” hat ist allerdings, wie vielerorts in den Alpen, deutlich sichtbar.

Gletschertraum mit Mont Blanc Blick!
Der Morgen vor dem Refugio Deffeyes ist frostig. Rauhreif überzieht die Tische aus grobem Holz, die vor der Hütte dazu einladen das 180 Grad PanoramaTesta-de-Rutor_Gletscher des Rutor Gletschers im warmen Licht der Morgensonne zu bewundern.  Dieser Ausblick zieht uns unweigerlich bergwärts, in eine herrliche Seenlandschaft die die Zungen des Rutorgletschers über Jahrtausende hinweg geformt haben. Immer wieder entdecken wir neue Landschaftsbilder, die sich in der spiegelglatten Oberfläche der Seen vervielfachen. Aosta_RutorWas für ein Auftakt unseres Abstiegstages dessen weiterer Verlauf nicht minder eindrucksvoll werden sollte! War doch die Rückkehr ins Tal entlang der dreistufigen Rutor Wasserfälle geplant. Unser Weg führt hinab auf den Pian de la Liere, eine Almfläche die man nur als Idyll bezeichnen kann. Fast kitschig, dieses Bild von hunderten Schafen, die am Ufer des tief grünen Seeauges ihr Frühstück einnehmen.Aostatal_La-Thuile Gefühlt nähern wir uns diesem Kraftort aus der Vertikalen. Es stellt sich im Abstieg fast das Gefühl ein man sei mit dem Helikopter auf dem Weg ins Tal. Die Kniegelenke erinnern uns dann aber sehr schnell daran, das das nur eine Sinnestäuschung sein konnte!

Gletscherabsturz über drei Kaskaden!
Man kann es kaum anders bezeichnen, was das Schmelzwasser des Rutor Gletschers da anstellt. Rutor_Wasserfaelle_Panorama Mit Urgewalten schießen die Wassermassen über mehrere Felsstufen zu Tal und lassen uns mal wieder spüren welch mickrige Gestalten wir Menschen doch sind, wenn wir uns in grandioser Natur bewegen. Rutor_Wasserfaelle_AostaUnd die kommt an den Wasserfällen nicht nur in flüssiger Form daher, sondern auch als Fels und Eis. Und zwar beim Blick in die Runde der 4000er Kette links und rechts des Mont Blanc. Endlich zeigt sich mit der Grand Jorasses  ein weiterer Bergriese (4208m) an dem Alpingeschichte geschrieben wurde! Mont_Blanc_Grand_Jorasses_PDiese beeindruckende Szenerie begleitet uns beim Abstieg durch den lichten Nadelwald bis ins Tal. Der zieht sich allerdings durch das viele Schauen und Staunen doch etwas in die Länge… und warum kommt uns dabei nur immer wieder Yosemite in den Sinn?

Kulinarische Genüsse mit 4000er Blick!
Unten angekommen, wollen wir natürlich auch die kulinarische Vielfalt des Aostatals und seiner Seitentäler nicht verpassen. Als echter “Genußtempel” erweist sich das Ristorante Pepita in Entrèves.   Was Patron und Chefkoch Mauro in dem von außen unscheinbaren Restaurant auf den Tisch bringt ist einfach nur sensationell. Lardo_AostatalSchon die Antipasti mit duftendem Prosciutto aller Arten sind ein echtes Geschmackserlebnis. Vom herrlichen Lardo, einem in Steintrögen mit Kräutern marinierten Speck, ganz zu schweigen. Auch wenn die schneeweißes Scheiben nicht jedermanns Sache sind, so ist es doch für den Liebhaber eine Geschmacksexplosion das weiße Gold auf der Zunge schmelzen zu lassen.Aostatal_Antipasti Glücklicherweise sind wir in Italien, wo die Primi Piatti  nicht lange auf sich warten lassen. Wer möchte da schon “Nein” sagen, wenn Mauro mit auf einer Pesto angerichteten und mit köstlichem Auberginenmousse gefüllten Tomaten lockt. Richtig, niemand!
Aostatal_Risotto_Steinpilze So kommt zum Berggenuss schließlich auch noch der Hochgenuss eines mit Spumante und Steinpilzcreme aromatisierten Risottos, für das kein Weg zu weit ist. Und wir dachten, wir haben an diesem gastlichen Ort schon alles erlebt. Von wegen! Die hausgemachten Tagliolini mit Trüffel katapultieren uns endgültig in kulinarische Höhen, die , gemessen an Bergen, sicher die 4000er Marke deutlich übersteigen.Trueffel_Tagliolini_Aosta Wir entscheiden uns trotz dieses kulinarischen Feuerwerks gegen den Hauptgang und gehen gleich zum Dessert über… und das hat es auch in sich.

In La Thuile erwartet uns Stefano Collomb, einer der besten Chocolatiers Italiens. Stefano hat es mit dem Familienbetrieb, den er in zweiter Generation führt, in den Olymp der Kulinarik geschafft. Immerhin wurde seine kleine Schokoladenmanufaktur kürzlich zu einem der 100 besten Genussorte Italiens gekürt! Stefano_Collomb_AostaWenn man ihn dann in seiner bescheidenen Art live erlebt, wenn er von seinen Lehrjahren in Belgien und Frankreich erzählt und seine Kreationen mit Rosenblättern, Lavendel, oder Wacholder erläutert und die Quellen seiner Genüsse, wie zum Beispiel die besten Haselnüsse aus dem Piemont, oder die aromatischsten Pistazien aus Sizilien preisgibt, erkennt man sofort, dass hier nicht der Kommerz im Vordergrund steht, sondern pure Leidenschaft. Nicht nur in Bezug auf die Verkostung dessen was Stefano für uns vorbereitet hatte, sondern auch menschlich ein besonderer Moment! Als Stefano dann seine Haselnusscreme hervorholt, wird endgültig klar, dass das absolut nichts, aber auch gar nichts mit dem global vermarkteten Industrieprodukt der Erfinder der “Piemontkirsche” zu tun hat!
Wen wundert es da, dass wir im Himmel der Genüsse auf den Papst treffen!? In Form einer reich verzierten Dankesurkunde hängt sein Konterfei an der Wand in Stefanos bescheidenem Laden. Ob ihn wohl eine himmlische Eingebung hierher geführt hat?

Mont Blanc by unfair means!
Achja, da war ja noch etwas. Wir wollten ja die höchsten Berge der Alpen bezwingen. Wenn schon nicht zu Fuß, dann zumindest mit Hilfe eines beindruckenden Stücks Technik, das wir sonst eher zu vermeiden suchen. 

Courmayeur_Mont_Blanc

Courmayeur im Talschluss des Aostatals, kurz vor dem Schlund des Mont Blanc Tunnels gelegen, ist der perfekte Ort um die 4000er mit der Seilbahn zu erkunden. Das charmante Alpenstädtchen liegt eindrucksvoll, umgeben von den mit ewigem Eis überzogenen Gipfeln, in der Abendsonne als wir durch die Fußgängerzone schlendern. Immer wieder müssen wir den Kopf in den Nacken legen um das sensationelle Panorama zu bestaunen, auch wenn uns das Kaiserwetter an dieser Stelle leider verwehrt bleibt.Courmayeur_BergfuehrerAm eindrucksvollen Hauptquartier der “Societa delle Guide”, der Bergführervereinigung, das auch ein sehenswertes Alpinmuseum beherbergt, halten wir kurz an den Gedenktafeln für die verunglückten Guides inne. Da wird einem sehr schnell schmerzlich bewusst, dass Bergfuehrer_Courmayeursich an der Wiege des Alpinismus, rund um den Mont Blanc, eben nicht nur alpine Erfolge sondern auch Dramen abspielten und abspielen. Die Vereinigung der Bergführer von Courmayeur, nach Chamonix die zweitälteste der Welt, hat hier, wie die Gedenktafeln belegen, auch so manches Opfer beigesteuert.

Ist denn schon wieder Himmelfahrt?
Man könnte es fast glauben! Etwas “angegruselt” von den Opfern der Berge machen wir uns auf den Weg zur “Skyway Monte Bianco”, einer beeindruckenden Seilbahn mit rotierenden Glaskugelgondeln.

Sky_Way_Mont_Blanc

Vier Sommer und 120 Millionen Euro später und schon ist die alte Aufstiegshilfe durch die neue mit High Tech Antrieb, beheizten Gondelfenstern, live Kamera am Unterboden der Kabinen und der mit 110 Metern höchsten Seilbahnstütze weltweit,  ersetzt! 2200 Höhenmeter in Rekordzeit… der Kreislauf bedankt sich! Punta_HelbronnerUnd dann das: Die architektonisch im besten Wortsinne durchgestylte Bergstation an der Punta Helbronner, auf 3466m, mit ihrer 360 Grad Aussichtsplattform, liegt in den Wolken! Offensichtlich hat der päpstliche Segen dann doch nicht ganz gereicht…
Trotzdem genießen wir den Aufenthalt in dieser einzigartigen Umgebung und den kurzen dramatischen Blick auf die bizarren Bergspitzen und Gletscher, die uns der Wettergott dann doch noch gewährte. Helbronner_Mont_BlancAber was wäre solch ein Ort ohne eine Genußkomponente?! Das hat auch die Cave Mont Blanc erkannt. Das Weingut produziert hier jährlich 1200 Flaschen Spumante. Nach der Champagner Methode ausgebautCave_Mont_Blanc und in der Mittelstation der Skyway auf knapp 2200 Metern 24 Monate gereift, ist das ein ganz besonderer Genuss, der in der dünnen Höhenluft neben geschmacklichen Höhenflügen auch sonst seine Wirkung nicht verfehlt! Wie mag das erst gewesen sein, als zu Beginn der Kooperation der Weinkellerei mit den Bergführern von Courmayeur 2009 die erste Flasche des “Cuvee des Guides” auf dem Gipfel des Mont Blanc mit dem Eispickel geköpft wurde? Sky_Way_Monte_BiancoWir müssen es wohl nicht erwähnen… als wir leicht beschwingt (von der dünnen Luft!) wieder gen Courmayeur hinab schweben, planen wir bereits unsere Rückkehr… und dann mit diesem Ausblick, den die Panoramawebcam an “guten” Tagen verspricht:

Geschrieben von Michael | Abgelegt unter Italien, Täler | Keine Kommentare

Auf dem großen Walserweg…. ohne Plan, aber dafür mit Traumpanorama: Rifugio Alpenzu und der beste Blick auf den Monte Rosa!

Monte-Rosa-Blick-AlpenzuWalserland! Geschichtsträchtig ist sie, die Gegend im Norden des Aostatals, rings um Gressoney St. Jean. Aber wir sind nicht nur auf der Suche nach Geschichte, sondern auch nach Bergpanoramen erster Klasse und kulinarischen Erlebnissen die nach der Tour dafür sorgen, dass die “Schmerzen” des Tages schnell gelindert werden und dass sich die einzigartigen Eindrücke die hier an jeder Ecke lauern im Genusszentrum des Gehirns “einbrennen”.
Wie sich zeigt, sind wir mal wieder richtig… Alpenzu-Gressoney-St-Jeaneinige Kilometer nördlich von Gressoney St. Jean. Direkt neben der Talstraße beginnt der leichte, gut einstündige Aufstieg nach Alpenzu, einem wundershönen Walserdörfchen (Die Walser, wer sind die eigentlich? ) auf ganzen 1779 Metern. Bereits um das Jahr 1200 finden die 13 Walserhäuser ihre erste urkundliche Erwähnung. Und noch heute trohnen sie, jüngst liebevoll renoviert, auf einer herrlichen Wiesenterrasse über einem Talschluß der seines gleichen sucht. Der Blick reicht talabwärts bis über Gressoney St. Jean gen Süden und, noch spektakulärer, in Richtung Norden bis zum Talkessel hinter Monte-Rosa-MassivGressoney La Trinite. Letzterer hat es in sich! Über Viereinhalbtausend Meter ist er hoch, der in der Sonne gleissend weiss strahlende Riegel des Monte Rosa Massivs, der mit Lyskamm und Vincent Pyramide die Grenze zwischen der Schweiz und Italien bildet und das Tal abrupt nach Norden hin abschottet. Welch ein phantastisches Naturschauspiel ist es doch  hier die Wolkenformationen die die Gletscher und Grate umspielen zu beobachten und gleichzeitig das heimelige Rifugio Alpenzu in Wurfweite zu wissen. Mitten in einer saftig grünen Almlandschaft ist es gelegen. Die ist geprägt durch die von der Sonne überAlpenzu Jahrhunderte geschwärzten Walserstadel. Und immer hat man das Gefühl, dass man nicht enttäuscht wird, wenn man sich auf ein Glas Wein oder ein mehrgängiges Menue hier niederläßt. Und tut man das auf der Terrasse des Rifugio Alpenzu reisst noch nicht einmal der Blickkontakt zu den großen Gipfeln des Alpenhauptkamms ab!
Ok, ohne Stärkung am Mittag kommen wir mal wieder nicht an der Hütte vorbei. Wir sollten es nicht bereuen! Aber das Highlight des Tages ist unsere Verabredung mit Carlo, unserem Bergführer, derBergfuehrer-Carlo uns heute weniger über alpine Herausforderungen hinweghelfen wird, sondern vielmehr in die Kultur und Geschichte des Tals und der Almregionen die von den Walsern erschlossen wurden, einweisen wird. Weit gereist ist er. Heliskiing in Kamtschatka… mit Kunden. Und als er vom längsten Inlandsflug der Welt erzählt, den er bei der Anreise über Russland hinter sich gebracht hat, wird im Tonfall und zwischen den Zeilen schnell klar wo sein Herz zu Hause ist! Weit entfernt von Alpenzu jedenfalls nicht! Carlo begrüßt uns in fließendem Englisch… “This is the plan for today:…… and we will change it ten times, we are in Italy!” Alpenzu-Wiese Damit ist klar, dass der Nachmittag flexibel gestaltet werden wird, mit einem atemberaubenden Monte Rosa Blick als einzigem verlässlichen Fixpunkt auf unserer kleinen Rundtour auf dem großen Walserweg. Und als Carlo zum besten gibt was er von Plänen hält: “ I am always happy, when I have NO plan!” wird endgültig klar, dass wir uns ohne Widerspruch in seine erfahrenen Hände begeben sollten und einfach das was den Nachmittag über auf uns zukommt, genießen sollten…ganz ohne Plan! Und was Rifugio-Alpenzuuns erwartete war eine kleine aber feine dreistündige Tour von Alpenzu hinauf zu einigen verlassenen Almen und dann einen Saumpfad entlang der, immer den Monte Rosa im Blickfeld, schließlich im wilden “Freestyleabstieg”, weglos über steile Wiesen, wie durch ein Wunder (Carlo!) auf dem allseits bekannten großen Walserweg mündete. Ab da hatten wir quasi “gefühlt” wieder die Zivilisation erreicht. Wenn auch eine über achthundert Jahre alte! Ohne große Höhenunterschiede schlängeln wir uns den Hang entlang, von Walseralm zu Walseralm, zurück in Richtung Alpenzu, nicht ohne dass Carlo uns mit einigGressoney-Talen lokalen Kuriosa beglückt. Oder waren Sie schon mal auf einer Alm auf der ein Schweizer Professor mit seinen 17 Katzen gehaust hat? Im warmen Abendlicht erreichen wir das Rifugio Alpenzu in freudiger Erwartung der Fortsetzung der kulinarischen Highlights die wir schon Mittags testen durften. Und wir sollten nicht enttäuscht werden. Ehrliche aostataler Kochkunst mit allem was Küche und Keller hergeben. Auch Carlo geniesst das Abendessen sichtlich. Bei aller Freude über den genialen Tag werden wir dann aber doch noch nachdenklich als wir den Vorsitzenden der Walsergemeinschaft von Walser-Gressoney-St-JeanGressoney kennenlernen, der sich zu uns an den Tisch gesellt. Die architektonischen Relikte der Walserkultur durften wir ja schon staunend zur Kenntnis nehmen. Und auch über die Sprache hatten wir schon einiges gehört, sei es im Tessin oder hier, südlich des Monte Rosa. Aber wie bedroht diese Kultur ist war uns nicht klar. Erst die etwas bedrückteWalser-Kinder-Gressoney-St-n Erzählungen des “Walserchefs”, der selbst noch kleine Kinder hat, machen klar, dass die Kultur und die Sprache wohl über die nächsten zwei bis drei Generationen aussterben wird, so die Einschätzung aus berufenem und betroffenem Munde. Allerdings sei auch erwähnt, dass wir am nächsten Tag mit Begeisterung die Walserprozession in Gressoney St. Jean miterleben durften. Dabei wurde überdeutlich, dass die “Alten” zumindest alles unternehmen um die “Jungen” bei der Stange zu halten”!

Alpenzu-Gressoney-info Alpenzu-Antipasti

Geschrieben von Michael | Abgelegt unter Hütten, Italien, Täler | Keine Kommentare

Gran Paradiso! Der Name ist Programm…. Auf königlichen Jagdsteigen durchs Paradies, zum Rifugio Vittorio Sella.

Aostatal-Cogne-Paradisia Wie eine weisse unüberwindliche Mauer steht das Gran Paradiso Massiv in der gleissenden Morgensonne im Talschluss des Val di Cogne, einem südlichen Seitental des Aostatals. Auf königlichen Steigen, die Vittorio Emmanuele II für die Jagd anlegen lies, wollen wir fast 1000 Höhenmeter zu einem seiner ehemaligen Jagdhäuser, dem heutigen Rifugio Vittorio Sella aufsteigen. Diesmal unter fachkundiger Anleitung von Davide dem Nationalparkguide. Und oben sind wir mit einem der sechzig Ranger des Parks verabredet. Es sollte also ein Gran-Paradisoaufschlussreicher Tag werden. Und die Kulinarik wird auch nicht zu kurz kommen, wie sich bereits mittags zeigen sollte!
In Valnontey, dem letzen Weiler mit Straßenanschluss im Val di Cogne, werden wir  bereits das erste Mal auf die Probe gestellt. Sogar die Restaurants heissen hier wie man sich an so einem Ort an einem glasklaren Morgen fühlt: “Ristorante Paradisia” Und wir wären wohl noch vor Beginn der Tour eingekehrt, wäre es nicht acht Uhr morgens und das schöne steingedeckte Aostataler Haus noch im Morgenschlaf. Aber nebenan wartet schon die Gran-Paradiso-Botanischer-Gnächste Sehenswürdigkeit die den Aufstieg “verzögert”. Der wunderschöne botanische Garten des  ersten Nationalparks Italiens. Der Bergsommer explodiert hier geradezu! Was für eine Blütenpracht im Vordergrund des 4061 Meter hohen Massivs. Davide hat natürlich die passenden botanischen Fakten und Tipps auf Lager, seien es die Details zu endemischen Arten, die nur hier vorkommen, oder die Informationen zu hoch giftigen Gewächsen, die man kennen sollte, falls man mal (s)ein Leben beenden möchte.  Nichts liegt uns ferner an so einem Tag! Also nehmen wir den königlichen Jagdsteig Gran-Paradiso-Almunter die Sohlen. 300 Kilometer solcher Wege gibt es im 1922  gegründeten Nationalpark. König Vittorio Emmanuele II lies sie anlegen um seiner Jagdleidenschaft zu frönen. Dabei mochte er es offensichtlich bequem, was heute dem Wanderer zu Gute kommt. Gleichmäßig ansteigend und breit genug um zu zweit nebeneinander aufzusteigen schlängelt sich der Weg empor. Zu Pferd soll der König bis auf die höchsten Pässe geritten sein, ohne abzusteigen! Wir bewältigen den Aufstieg aus eigener Kraft und genießen den mit zunehmender Höhe immer imposanter werdenden Blick auf das Gran Paradiso Massiv und das Panorama (Klick auf das Foto!)Cogne-Panorama der umliegenden Dreitausender. Davide ist in seinem Element, spätestens als es uns gelingt einen der etwa 30 Steinadler die im Park leben vor das Fernglas zu bekommen. Wir erzählen was wir im “richtigen” Leben Gran-Paradiso-Cogneso machen und welcher Profession wir nachgehen, als es aus Davide herausbricht: Mit weit ausgebreiteten Armen, als wolle  er den Gran Paradiso umarmen, sagt er “ And this is MY office!” …und setzt damit einen Kontrapunkt zum städtischen (Büro-)Leben, der uns schon etwas nachdenklich stimmt. Die Nachdenklichkeit schwindet schnell als das Rifugio Vittoria Sella auf 2588 m in Sichtweite kommt. Von einem Parkranger erfahren wir dort spannende Fakten über den Park. So auch, dass Vittorio Emmanuele, aus dessen Jagdhütte das Rifugio hervor ging, es wohl gerne auch bei der Jagd bequem hatte. So lies er Vittorio-Sella-Rifugio-1sich die Steinböcke, von denen es heute etwa 6000 im Park gibt, von Helfern  aus den Hochlagen hinabtreiben um sie im direkten Umfeld der Hütte niederzustrecken. Dass so eine Jagd  dann auch kulinarische Highlights mit sich brachte, davon gehen wir mal aus. Und uns sollte es an diesem gastfreundlichen Ort nicht anders ergehen. Mit einem Flan vom Bergkäse als Vorspeise hätten wir in der Höhe allerding trotzdem nicht gerechnet! Und mit der Aostataler Brotsuppe als Zwischengang auch nicht. Zum Hauptgang kommt ein dampfender gelber Berg Polenta auf den Tisch. Aber nur als Vittorio-Sella-RifugioBeilage zu nicht weniger als drei Secondi…. Die Salsiccia in Tomatensoße ist genial! Kann man hier eigentlich übernachten? Man kann. Den Tag nach diesem Festmahl um 14.00 Uhr ausklingen  zu lassen erscheint uns dann aber doch etwas zu dekadent. Also zurück ins Tal, zumal uns dort am Abend auch noch einige Highlights erwarten sollten. Immer neue Perspektiven erschließen sich im Abstieg. Die gleissende Mittagssonne sorgt dafür, dass wir den Eindruck gewinnen die gesamten Gletscher der Gegend haben vor sich bis heute Abend in Form des reißenden Wildbachs an dem wir entlang schlendern in den Aostatal-WildbachTalboden des Val di Cogne zu stürzen.  Die Nachmittagssonne bringt die Hänge zum glühen und setzt dabei  einen intensiven Duftcocktail frei, der von den Harzaromen des Waldes bis zum umwerfenden Duft des wilden Thymians reicht, auf den uns Davide im vorbeigehen aufmerksam macht. Der Wasserfall über Valnontey ist durch die in der Hitze enorm angestiegene Schmelzwassermenge gewaltig angeschwollen als wir den Talboden erreichen und uns sicher waren, dass die Highlights des Tages nun hinter uns liegen. Aber weit gefehlt! Das Degustationsmenue im Hotel Madonnina in Cogne sollte am Abend noch eins draufsetzen:

Schwertfisch-Carpaccio Spaghetti-Aosta

Alleine das Schwertfischcarpaccio, ummantelt mit Lardo, einer Aostataler Spezialität (in Marmortrögen mit Kräutern, Gewürzen und Wein marinierter Speck), verdient es hier besonders erwähnt zu werden. Und die anderen Gänge bis hin zum Aostataler Bergkäse standen dem nicht nach. Zu Glück sind wir nicht, wie einst der König zu Pferd auf den Berg geritten, sondern haben den einen oder anderen Gang aus den Küchen des Tals am Berg “verbrannt”. Und wer, so gestärkt, noch ambtionbiertere Ziele hat und gar den Gran Paradiso besteigen möchte der wird im Bergzeit Magazin fündig!

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Geschrieben von Michael | Abgelegt unter Hütten, Italien | 1 Kommentar