Das Val Bavona. Little Yosemite im Tessin!

Das Val Bavona. Little Yosemite im Tessin!

Das Val Bavona, ein Seitental des Maggiatals, hat es uns seit langem angetan. Der etwa 10 km lange Talboden zwängt sich zwischen Steilwände, die hunderte von Metern hoch sind und in ...

Die Südalpen und den Lago Maggiore im 360 Grad Blick

Die Südalpen und den Lago Maggiore im 360 Grad Blick

Es gibt wenige Aussichtsgipfel in den Alpen die so ein Traumpanorama wie der Gridone (2188m) bieten und dabei vergleichsweise wenig frequentiert sind. Auf sehr schmalem Sträßchen schraubt man sich über Brissago am Lago ...

Mittelalterliches Flair in der Gondoschlucht- Hotel Stockalperturm

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Wenn man in Brig im Rhonetal, auf dem Weg zum Simplonpass das mächtige Stockalperschloss sieht, steigt unweigerlich die Vorfreude auf das, was einen auf der anderen Seite des Passes im Schweizer Grenzdorf ...

Die Capanna Cristallina - architektonische Meisterleistung, oder "Zigarrenkiste" mit Basodinoblick?

Die Capanna Cristallina - architektonische Meisterleistung, oder "Zigarrenkiste" mit Basodinoblick?

Die Antwort auf diese Frage muss sich jeder selbst ersteigen, in 4 Stunden und auf 1200 Höhenmetern. So weit ist es von Ossasco im Val Bedretto herauf zu dieser in mehrfacher Hinsicht ...

Die Trattoria 'Uomo Selvatico'; ....zu Gast beim Waldmensch von Chiavenna.

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Aus dem einsamen Savogno kommend, schafft es Chiavenna schnell trotz, oder gerade wegen seines kleinstädtischen Charakters und der mediterranen Betriebsamkeit  einer unserer Lieblingsorte südlich des Alpenhauptkammes zu werden. Schon der Weg ...

Über den höchsten Bahnhof Europas ins Puschlav....der ideale Einstieg für den Weg von Poschiavo nach Chiavenna.

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Es sollte diesmal die Bernina Südseite  sein. Wie meist war unser Tourenkonzept auf mediterrane Bergerlebnisse angelegt. Diesmal allerdings mit einem Einstieg für Eisenbahn- und Technikfreaks. Sicher ist es ein Leichtes den ...

Die Venus vom Orta See

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Der Ortasee zählt sicher zu den "vernachlässigten" oberitalienischen Seen. Und das ist aus der Sicht des Genießers gut so! Orta San Giulio am Ostufer des Sees  bildet einen romantischen Ausgangsort z.B. ...

Die Alpe di Spluga - Ein Rifugium erster Klasse auf dem beschwerlichen Weg vom Maggia- ins Verzascatal.

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Ganz unbekannt sind sie ja nicht, die beiden Täler im Hinterland des Lago Maggiore! Aber die Topografie sorgt, wie so oft im Tessin, dafür dass selbst traumhafte Orte quasi unberührt bleiben. Die ...

Val Grande Nationalpark: Der Südeinstieg. Mit Panoramagarantie vom Monte Rosa bis zum Apennin!

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Den Blick auf das höchstgelegene Haus Europas auf der Signalkuppe des Monte Rosa, den Lago Maggiore, die Borromäischen Inseln, den Orta See, den Lago di Varese, die Poebene und die Ausläufer des ...

Mit Herrn W. von Salzburg nach Nizza. Oder wie Berge Orientierung geben.

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Was kommt dabei heraus, wenn ein Top Manager in den Alpen nach der Neuausrichtung  seines Leben sucht? Zumindest ein inspirierendes und gefühlvolles Buch, das jeden Bergfreund der auch noch ein zweites Leben ...

Vom Val Malenco zur Forno Hütte - Gletscherpanorama deluxe!

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Das Frühstück in der Albergo Chiareggio halten wir kurz. Schließlich lockt draußen Kaiserwetter und ein  herrlicher Übergang in die Schweiz, der Forno Paß (2768m). Nach 10 Minuten endet die Fahrstraße im wunderschönen ...

Die Antica Osteria Dazio und das malerische Fusio: Eine perfekte Oase am Ende des Val Lavizzara!

Die Antica Osteria Dazio und das malerische Fusio: Eine perfekte Oase am Ende des Val Lavizzara!

Darauf hatten wir uns schon während der ganzen 1250 Höhenmeter des Abstiegs vom Passo del Naret gefreut: Ein kühles Bier auf der herrlichen Sonnenterrasse der Antica Osteria Dazio! Und dann ein Rundgang ...

Das schwarze Tal..... eindrucksvolle Walserkultur und der Blick auf das höchstgelegene Haus Europas.

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Der Talboden des Val Vogna liegt noch in tiefem Schatten, als wir uns im gleichnamigen Rifugio auf eine herrliche Tour über den Passo del Maccagno vorbereiten. Die Gipfelkämme dieses Seitentals des ...


Vom Val Lavizzara zum “Cerro Torre” des Tessin

Zugegeben, der Vergleich mit dem Riesen in Patagonien ist gewagt! Aber trotzdem erinnert mich der 2558 Meter hohe Pizzo del Prevat zwischen dem Val Lavizzara und der Laventina immer wieder an die schroffen Spitzen des Cerro Torre.

Fusio-Palazzi Als wir in Fusio aufbrechen steht uns dennoch kein rauher Weg in extremem Klima bevor, sondern ein herrlicher Aufstieg der durch saftig grüne Wiesen und im unteren Teil auch Wälder führt. Gut 1000 Höhenmeter wollen überwunden sein, bevor wir das Panorama am 2318 Meter hohen Passo Campolungo genießen können. Im unteren Teil richtet sich der Blick zunächst jedoch nochmal talwärts wo die schönen Palazzi in Fusio und der grüne Talboden des Val Lavizzara  die Szenerie dominieren.  Etwas weiter bergan Val-Lavizzara-Fusiogewährt der Pfad im lichten Bergwald auch einen Rückblick auf das Finale des Vortages, an dem wir von der Capanna Cristallina herüber kamen. Der tiefblaue Lago del Sambuco kommt als blaues Band hinter seiner massiven Staumauer ins Blickfeld. Ein von Menschen gemachter Eingriff, aber aus der Heliperspektive Aufstieg-Passo-Campolungodoch irgendwie schön. Von unverbauten Gebirgsbächen begleitet steigen wir weiter auf und genießen die satten Farben und das üppige Grün, das beim heutigen Kaiserwetter noch intensiver leuchtet als sonst. Da wird der Weg hinauf über die Alpe Pianascio zum Traumpfad.

Aufstieg-Fusio-Passo-CampolIm oberen Teil recht steil, erreichen wir den Passo  Campolongo. Von der Passhöhe schweift der Blick über die von Bachläufen durchzogene und  brettebene gleichnamige Alm, die etwa 250 Meter tiefer liegt. Am Gegenhang trohnt oberhalb der Ebene auf Felsen die Selbstversorgerhütte Capanna Leit. Bevor wir jedoch die kleine Hochebene erreichen gilt es noch mit voller Konzentration über einige steile Schneefelder abzusteigen. Direkt unter dem Pass kraxeln wir über interessante geologische Formationen. Stellenweise ist der Fels fast weiß und sieht aus der Ferne eher aus wie Beton. Passo-Campolungo

Die Querung der blühenden Bergwiesen der Alpe Campolongo ist nach dem steilen und felsigen Abstieg ein Genuss. Und beim Blick zurück ist er plötzlich da, der Cerro Torre. Über den Wiesen steht die Capanna-Leitmarkante Pyramide des Pizzo del Prevat. Dieser herrliche Platz schreit nach einer Rast. Wir wissen, dass noch ein kurzer steiler Abstieg zum Lago Tremorgio bevor steht bevor wir unser heutiges Ziel, die  gleichnamige Capanna erreichen. Dem auf 1770 Metern gelegen See und der etwas erhöht an seinem Ufer liegenden Hütte nähern wir uns schließlich aus der Heliperspektive. Pizzo-CampolungoDas blaue Seeauge ist heute von einem Sandstrand eingerahmt. Ein sicheres Zeichen, dass das Kraftwerk in Rodi hier ordentlich Wasser zur Energiegewinnung abgezapft hat.

Die Hüttenterrasse bietet Seeblick und Seilbahnanschluss in 30 Metern Entfernung. Klar, dass man hier auf all die Ausflügler trifft, die in der Vierergondel über einer senkrechte Steilstufe aus der Laventina heraufschweben. Das tut dem Genuß aber keinen Abbruch als wir den Nachmittag bei einem kühlen Drink mit (Berg-)seeblick beschließen. Und um 19.00 Uhr wird es dann endgültig still, nachdem die GondelLago-Tremorgio die letzte “Viererseilschaft” ins Tal befördert hat. So genießen wir mal wieder die volle  Aufmerksamkeit und Gastfreundschaft unser Hüttenwirte und nebenbei auch ein sehr gutes Brasato con Polenta. Und da sich die morgige Abschlußwanderung auf die 30 Meter zur Seilbahn beschränkt haben wir auch keine Sorge den Abend mit so einigen Gläschen Merlot del Ticino zu beschließen.

Die Antica Osteria Dazio in Fusio

Von der Capanna Cristallina nach Fusio

Vom Valle Maggia ins Valle Vergeletto und weiter ins Centovalli

Die Antica Osteria Dazio und das malerische Fusio: Eine perfekte Oase am Ende des Val Lavizzara!

FusioDarauf hatten wir uns schon während der ganzen 1250 Höhenmeter des Abstiegs vom Passo del Naret gefreut: Ein kühles Bier auf der herrlichen Sonnenterrasse der Antica Osteria Dazio! Und dann ein Rundgang durch Fusio, dieses romantische Dörfchen zuhinterst im Valle Maggia, oder Val Lavizzara, wie dieser Teil heißt. Und dann ein entspanntes Dinner mit Köstlichkeiten aus Claudios Küche.  Und dann…. der Reihe nach…

Beim Abstieg vom Lago Sambuco werden wir erst mal daran erinnert, dass das Leben in diesem Fusio-Holzhausabgelegenen Talschluß  nicht nimmer so süß war.  Es trieb frühere Generationen wie in so vielen Tälern der Südwestalpen sogar in die Emigration. Vor allem die USA waren ein beliebtes Ziel. Aber einige konnten nicht lassen von Ihrer alten Heimat und kehrten mehr oder weniger wohlhabend zurück. Das schlug sich dann im Baustil der Häuser nieder, wie am Rand von Fusio noch heute zu sehen. Hier kann man einen interessanten Mix aus Tessiner Steinhaus und Südstaaten Architektur mit Holzbalkonen bewundern. Wir ziehen dennoch Fusio-Palazzoschnell weiter hinunter in den alten Ortskern von Fusio, der pittoresk am Hang klebt. Die Osteria Dazio ist schnell gefunden. Sie bildet eine bauliche Einheit mit der Dorfkirche. Man speist und übernachtet fast Wand an Wand mit der Mutter Maria! Wenn das kein gutes Omen ist….. Die Sonnenterrasse mit Blick auf die mit morbidem Charme am Sonnenhang aufgereihten Häuser, die Teils wie kleine Palazzi wirken, ist legendär. Bergfreunde werden allerdings eher hinüber in Richtung des Pizzo Campo Tencia Massivs blicken, dessen Ausläufer Fusio um bis zu 1700 Meter überragen. Die Osteria Dazio geht zurück auf den Tischler Luigi Dazio, der das Haus 1880 kaufte. Noch heute erzählt die heimelige Antica-Osteria-Dazio Atmosphäre des Speiseraumes mit seinen 6 Tischen von der Kunst des Mannes. Wohin der Blick auch schweift, überall dunkle Holzvertäfelungen. Und bei genauem Hinsehen entdeckt man noch ältere Relikte, zum Beispiel denFusio-Osteria-Dazio-Herd Steinofen aus dem Jahre 1818 den Claudio Sollberger, der heutige Patron geschickt ins Frühstücksbuffet integriert! Vor dem Abendessen lassen wir Fusio bei einem Rundgang auf uns wirken. Wenn die Tagestouristen, die über die hier endende Straße in einer knappen Stunde vom Lago Maggiore hoch kommen weg sind, dann hat man das Dörfchen fast für sich und es ist wieder möglich sich vorzustellen, wie hart es gewesen sein muss der rauhen Bergwelt diese Siedlung abzutrotzen. Da haben wir es heute besser, als wir unter der Eingangsempore des Gastraumes der Osteria zum Abendessen Platz nehmen. Eine hervorragende Auswahl von Käse derFusio-Osteria-Dazio umliegenden Almen, hausgemachte Teigwaren und auch das Filetto vom Grill überzeugen sofort. Das lindert den Schmerz der zurückliegenden acht stündigen Tour , herüber von der Capanna Cristallina, mit Ihren wohl insgesamt 1500 Metern Abstieg. Trotz einer gewissen Erschöpfung lassen wir das Dinner  und den interessanten Gastraum mit der Empore an diesem Abend noch lange -unter Rotweineinfluss- auf uns wirken, bevor wir das Lager beziehen. Fusio-Osteria-Dazio-1Neben den schönen meist holzgetäfelten Zimmern hat man hier die Möglichkeit die Nacht stilecht direkt unter einem Dach aus Tonnen von Tessiner Granit zu verbringen. Aber die massiven Baumstämme, die es tragen geben uns das Vertrauen, dass da auch bis zum nächsten Morgen nichts passiert und wir uns planmäßig und unverletzt auf den Weg hinüber in die Laventina machen können. Wir werden in Kürze an dieser Stelle darüber berichten…..

Aus dem Val Bedretto zur “Designerhütte” Capanna Cristallina

Über den Passo del Naret nach Fusio

Vom Valle Maggia ins Centovalli

Von der Capanna Cristallina ins Val Lavizzara, …..oder können Stauseen schön sein?

Anstieg-Passo-Naret

Die architektonisch wertvolle “Holzkiste” der Capanna Cristallina entlässt uns in einen strahlenden Morgen. Im gleißenden Weiß des noch eineinhalb Meter hohen Schnees am Cristallina Pass treten wir unseren Weg hinüber nach Fusio im Val Lavizzara an. Es sollten sieben eindrucksvolle Stunden werden, die nicht zuletzt durch menschliche Eingriffe einen besonderen Reiz haben. Aber das ist Geschmackssache!

Die Querung des oberen Val Torta ist zunächst ein kleiner Abstieg und auch im Juli, wenn es wie diesmal noch viel Schnee hat, einLago-del-Naret-Wegweiser eher mühsames Unterfangen. Über steile aber ungefährliche Schneefelder zieht der Weg hinauf zum Passo del Naret, der mit 2438 Metern nur 100 Höhenmeter über der Capanna Cristallina liegt. Die Mühen liegen hier eher im Detail, wenn es darum geht auf dem harten Schnee nicht abzurutschen und per Sichtnavigation die optimale Route durch die Schmelzwasserbäche zu finden. Am Passo del Naret bietet sich das gewohnte Bild.  Die Wegweiser stecken tief im Schnee und man muss sich bücken um die Tafeln zu lesen. Da wo mal einer frei steht wird an den lädierten Tafeln klar, welche Gewalten hier im Winter z.B. in Form von Lawinen walten!

Der Blick in Richtung Val Lavizzara, dem obersten Ende des Maggiatals, hat arktische Züge. Das blaue Seeauge des Lago del Naret auf 2310m ist umrahmt von Eisformationen und kleine Minieisberge und Schollen verzieren den Spiegel des Sees. Hier betreten wir das Reich der Ofima (Officine idroelettriche della Maggia SA), der Maggia Kraftwerke AG.

Lago-Naret Abstieg-Laghetti
Lago-del-Naret-Laghetti Lago-Naret-Laghetti-Eis

Seit ihrer Gründung 1949 hat sie ein eindrucksvolles Netz von Speicherseen, Druckstollen von bis zu 24km Länge (!) und Kraftwerken geschaffen, die jeden Höhenmeter von hier bis zum Lago Maggiore nutzen um Strom zu erzeugen. Dass die Eisberge letztlich im Lago Maggiore enden und dass der schön ist steht außer Frage. Aber sind die massiven Eingriffe der Ofima, sprich die Stauseen auch schön? Wir meinen Ja! Die Staumauern sind zwar alles andere als gefällig, allerdings entschädigt die Seenlandschaft, die Sie geschaffen haben und die wir auf unserem Abstieg nach Fusio durchqueren. Der allerdings zieht sich!

Abstieg-Val-Sambuco Nach der zwischenzeitlichen sporadischen Nutzung des Fahrsträßchens der Ofima sind wir froh bald wieder über saftige Wiesen und durch schönen Lärchenwald abzusteigen. Am hinteren Ende des auf 1461 Metern gelegenen Lago del Sambuco steht eine Grundsatzentscheidung an. Auf der Fahrstraße am Ufer entlang, oder wieder 100m hoch und dann auf einem alten Verbindungsweg mit Panoramablick auf den Lago Richtung Fusio? Wir entscheiden uns für Panorama……und damit wie sich noch zeigen sollte für  eine sehr schweißtreibende Variante. Lago-Sambuco-Staumauer

Zweihundert  Meter hoch geht es über dem See dahin. Die Landschaft  und insbesondere der SeeblickLago-Sambuco ist grandios! Das tiefblaue Wasser, vom Wetter gezeichnete uralte Lärchen, Wasserfälle und ein Weg, der im hohen Gras als solcher kaum zu erkennen ist. Er verbindet eine Reihe verlassener Almen und sein stetiges auf und ab saugt uns die Kraft aus den Knochen.

Der Lago del Sambuco war der erste See, den die Ofima 1956 gestaut hat. Mit seiner 130m hohen Staumauer und einer Länge von 3 km ist er einer der größten des Tessins.  Lago-Sambuco-WasserfallKurz oberhalb der Staumauer mündet ein “Knochenbrecherabstieg” schließlich wieder auf das Fahrsträßchen. Sechs Stunden haben wir bis hierher gebraucht und der Wegweiser zum heutigen Ziel zeigt immer noch 45min an.   Die führen allerdings genüsslich durch einen grünen Talboden 200 Meter hinab ins schöne Fusio. Die Vorfreude auf unsere heutige Unterkunft, die Antica Osteria Dazio und auf ein kaltes Bier auf ihrer Sonnenterrasse wächst mit jedem Schritt….

Fusio und die Antica Osteria Dazio

Vom Val Bedretto zur Capanna Cristallina

Von Prato Sornico zur Capanna Soveltra

Vom Maggia Tal ins Centovalli

Die Capanna Cristallina - architektonische Meisterleistung, oder "Zigarrenkiste" mit Basodinoblick?

Capanna-CristallinaDie Antwort auf diese Frage muss sich jeder selbst ersteigen, in 4 Stunden und auf 1200 Höhenmetern. So weit ist es von Ossasco im Val Bedretto herauf zu dieser in mehrfacher Hinsicht einzigartigen Hütte.

Da wäre zunächst die leidvolle Geschichte, die geprägt ist von Naturgewalten und Ihren manchmal zerstörerischen Kräften. Als wir den Aufstieg im Val Bedretto beginnen haben wir noch die Bilder früherer Besuche im Kopf, wohl wissend, dass wir diesmal ganz andere Eindrücke mitnehmen werden. Wir sind auf dem Weg hinüber nach Fusio im Val Lavizzara und weiter über den Passo Campolongo in die Laventina. Die “neue” Capanna Aufstieg-Capanna-CristallinaCristallina ist unser erster Stützpunkt. Und der liegt heute auf 2575 Metern direkt am Passo di Cristallina. Die alte Hütte dagegen, deren Geschichte bis 1939 zurück reicht, befand sich unterhalb an einem allerdings sehr lawinengefährdeten Punkt. Das sollte der 1983 renovierten Bergsteigerunterkunft schon 1986 zum ersten mal zum Verhängnis werden. Im Februar beschädigt eine Lockerschneelawine Teile des Gebäudes und im Mai des selben Jahres überschüttet die Natur die Hütte mit 7 (!) Metern Feuchtschnee, was ihr den Rest gibt. Die Sektion Ticino des SAC beweist eine beeindruckende Ausdauer und Tatkraft und baut die Hütte noch im gleichen Jahr wieder auf! Doch bereits 1999 fegt eine gewaltige Lawine die sich am Pizzo Gararesc löst das Gebäude vollständig vom Berg.  Der SAC gibt sich der Natur geschlagen. Und nun folgt der nächste bemerkenswerte Aspekt der die Spannung schon während unseres Aufstiegs über die auch Anfang Juli noch reichlich vorhandenen Schneefelder steigen läßt. Die Sektion Ticino  entscheidet sich einen Architekturwettbewerb für den Neubau der Hütte auszuschreiben.

Capanna-Cristallina-1Nicht nur über das Design, sondern auch den Standort überdenkt man. Nach umfangreichen Untersuchungen wird er an einen lawinensicheren Punkt direkt am Passo di Cristallina und damit 200 Meter nach oben verlegt. 142 Projektvorschläge wurden eingebracht. Das muss keinen leichte Entscheidung gewesen sein! Den Zuschlag bekommenCapanna Cristallina Stempel schließlich die Architekten Bazerga und Mozzetti aus Locarno/Muralto mit Ihrem minimalistischen zweigeschoßigen Holzbau, der aus der Ferne an eine Zigarrenkiste erinnert und leicht entsprechenden Spott auslöst.  Aber halt! Klar, das minimalistische Design muss man mögen, unser Besuch aber bestätigt, dass es sich hier um einen hoch modernen und exzellent durchdachten Bergsteigerstützpunkt handelt. Heimelige Hüttenromantik mit offenem Kamin und Gamsgeweih an der Wand sucht man hier vergebens. Dafür sprüht das Gebäude nur so von klaren Formen, geraden Linien und einer gelungenen Kombination von Glas, Edelstahl und Holz.

Die Sanitäranlagen und Duschen zum Beispiel wählen wir spontan zum Sieger in der Kategorie “Hygiene südlich des Gotthard”. Und es kann sogar recht einsam sein, in einer Hütte die 120 Schlafplätze hat. Als wir Anfang Juli bei bestem Wetter unterwegs sind teilen wir uns diese 2600 Kubikmeter große Zigarrenkiste mit gerade mal 6 anderen Wanderern. Klar, man muss sich an das FremdkörpergeBasodino-Blickfühl das der Bau vermittelt zunächst gewöhnen, aber dann macht sich  bei uns doch schnell das Gefühl breit in einer im positiven Sinne außergewöhnlichen Hütte zu übernachten. Und spätestens als wir am nächsten Morgen bei klarer Sicht auf dem 2 Meter dicken Schneepolster am Paß vor der Hütte stehen und dem Blick auf die Gletscher des Basodino, ins Val Bavona und in Richtung Gotthard schweifen lassen, ist klar, dass der neue Standort nicht nur im Bezug auf die Sicherheit genial gewählt ist.  Einen kleine Eindruck davon vermittelt die mit einer modernen Hütte Einzug haltende moderne Technik. Heute liefert die Webcam Livebilder, die die Vorfreude auf einen Besuch hier oben zusätzlich anheizen:

Webcam Capanna Cristallina

Capanna Cristallina Webcam

Über den Passo del Naret nach Fusio im Val Lavizzara

Unterwegs auf den Spuren der Walser. Aber wer sind die eigentlich?

Vergößern mit Klick: Monte Rosa LandkarteSo leicht ist das gar nicht zu beantworten! Es gibt immer noch viele ungeklärte Aspekte  dieses Volkes das sich etwa ab dem 13. Jahrhundert aus dem Oberwallis auf Wanderschaft begab und schließlich über die nächsten Jahrhunderte etwa 150 Siedlungen gründete, die von den Tälern südlich des Monte Rosa über Graubünden bis ins Kleinwalsertal verstreut sind. Tatsache ist jedenfalls, dass wir in unseren Lieblingsgebieten im Piemont und dem Tessin immer wieder auf Walserspuren stoßen, was dann doch die Neugierde auf dieses Volk beflügelt. Letztlich war es wohl so, dass die Siedler im Oberwallis bzw. Goms, die von alemannischen Vorfahren abstammten und daher Deutsch sprachen, für die Feudalherren südlich des Alpenhauptkammes als Siedler sehr attraktiv waren.  Walserhöfe Val Vogna

 

 

 

 

 

 

Die versuchten nämlich Ihre Besitztümer durch eine stärkere Besiedlung auch unwirtlicher Bergregionen und Talschlüsse abzusichern. Das war insbesondere zum Schutz der strategisch wichtigen Pässe vonnöten. Noch heute beeindrucken uns die dadurch entstandenen versprengten Walserhöfe, wie zum Beispiel im Val Vogna.  Die Bergbauern des Südens waren sehr auf den Ackerbau spezialisiert, während die Kollegen im Oberwallis die Viehzucht auch unter widrigen Bedingungen zu einer gewissen Perfektion getrieben hatten. So konnten sie animiert und unterstützt durch die guten familiären und freundschaftlichen Bande der Feudalherren gen Norden die oft rauhen Talschlüsse des Val Sesia, des Val Formazza (Pomatt) oder auch des oberen Valle Maggia im Tessin besiedeln. Grabstein Rima

Da die niedrig gelegenen Talschaften in der Regel bereits vergeben waren siedelten sie vor allem in Höhenlagen ab etwa 1400 Metern, wo Ackerbau kaum noch möglich ist. Die Walser besiedelten die Talschlüsse also "von oben her" und sie pflegten die Kontakte über die hohen Päße im Norden hinweg. Dies führte dann auch dazu, dass ihr Dialekt, das "Walserdeutsch" weiterhin Bestand hatte. Noch heute kann man das im Original hören, zum Beispiel in Bosco Gurin, dem berühmten Walserdorf und mit 1504 Metern höchstgelegenen Ort des Tessins. Aber auch in unseren Lieblingsgebieten südlich des Monte Rosa stößt man ständig auf schöne Relikte dieser aussterbenden Kultur. So zum Beispiel in der Kapelle auf dem Friedhof von Rima,   wo auf dem hölzernen "Grabstein" nicht nur ein "Qui riposano in pace" steht, sondern auch gleich die (Walser-)deutsche Übersetzung "Hir slof in ruhe". Auch die Architektur der Walser fasziniert und Ihre Siedlungen strahlen einen unbeschreiblichen Charme aus. Val Vogna

 

 

 

 

 

 

 

 

So wie beispielsweise die schönen Weiler im Vogna bei Alagna. Mit Ihren fast schwarzen Holzhäusern und den Speichern, deren Balken zum Schutz vor Mäusen auf großen Granitplatten stehen sind sie ein eindrucksvolles Relikt der Walserarchitektur. Eine Anspielung auf diese Bauweise begleitet hier die Menschen bis über den Tod hinaus, wie die Grabkreuze auf dem Friedhof von Alagna demonstrieren. Alagna Val Sesia Friedhof Orte wie Carcoforo, Rima, Rimella oder Campello Monti sind noch heute geschlossen Ensemble, die den Wanderer Walsergeschichte atmen lassen. Ein Grund mehr für uns auch weiterhin mit Genuss durch diese heute von Abwanderung  bedrohten Gegenden zu streifen! Wer mehr über dieses Volk und seine Kultur erfahren möchte, dem empfehlen wir einen Blick auf die Seite der Internationalen Vereinigung für Walsertum zu werfen.

–> Wanderungen auf Walserpfaden

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